Palladium
Russlands „Geheimwaffe“

Russland lässt sich von Sanktionen nicht einschüchtern. Das Land könnte nicht nur Lieferungen von Öl und Gas einschränken. Es gibt ein Metall, bei dem die Abhängigkeit noch größer ist. Die Autoindustrie wäre betroffen.
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DüsseldorfRussland will sich nicht durch Sanktionen einschüchtern lassen – und droht stattdessen mit Gegenmaßnahmen. Sanktionen seien eine „Sackgasse“, sagte Ministerpräsident Dmitrij Medwedjew am Dienstag im Parlament. Wenn der Westen sie trotzdem verhänge, habe Russland „keine andere Wahl“, als sich dagegen zu wehren. Das heißt konkret: Russland könnte die Lieferung wichtiger Rohstoffe einschränken. Die meisten denken dabei an Öl und Gas. Doch es gibt ein Metall, bei dem der Grad der Abhängigkeit noch höher ist: Palladium.

Der Markt für Palladium ist klein, der Einfluss des russischen Staates umso größer. Russland kommt auf einen Anteil von gut 42 Prozent an der weltweiten Förderung. Norilsk Nickel, der größte Produzent, muss Exporte mit der staatlichen Schatzkammer Gokhran, einer Abteilung des russischen Finanzministeriums, abstimmen. In der Vergangenheit hat der Staat einen Teil der Produktion aufgekauft. Wie groß die Vorräte aktuell sind, ist nicht bekannt. Experten schätzen, dass die Lagerbestände in den vergangenen Jahren weitgehend abverkauft wurden. Palladium wird oft als Beiprodukt der Förderung von anderen Metallen gewonnen.

Schon einmal, im Jahr 2000, versetzte Russland den Markt in Aufruhr. Damals verzögerte die Regierung die Erteilung offizieller Ausfuhrquoten. Es kam zu Lieferengpässen. Der Preis für Palladium verdoppelte sich. Er stieg über 1000 Dollar je Unze – ein bis heute nie wieder erreichtes Allzeithoch. Die Industrie suchte daraufhin Alternativen. Auf den Schock folgte der Absturz. Der Preis sackte auf 200 Dollar ab. Es dauerte Jahre, bis sich die Lage wieder beruhigte.

In diesem Jahr ist der Preis für Palladium um zehn Prozent gestiegen – was neben den Ängsten um Russland auch an Streiks in Südafrika lag. Eine Unze kostete zeitweise fast 800 Dollar. Sollte der Konflikt um die Ukraine eskalieren, könnte es weiter nach oben gehen. „Es ist nicht auszuschließen, dass es zu Lieferengpässen kommt. Ich würde das nicht unterschätzen“, sagt Eugen Weinberg, Rohstoffexperte der Commerzbank.

Autoindustrie auf Palladium angewiesen

Einen vollständigen Stopp der Lieferungen wird sich Russland nicht leisten können - zu abhängig ist das Land von Exporterlösen. Aber schon jetzt ist die Nachfrage nach Palladium größer als das Angebot. Die weltweite Produktion liegt bei 200 Tonnen. Analysten von Barclays rechnen in diesem Jahr mit einem Angebotsdefizit von 24,4 Tonnen.

Höhere Preise treffen vor allem die Autoindustrie. Palladium wird für Katalysatoren in Benzinmotoren verwendet. Etwa 60 Prozent des weltweiten Verbrauchs von Palladium entfallen auf die Produktion von Autos. Der Rest wird von der Elektro- und Chemieindustrie sowie für Zahnersatz verwendet. Im Jahr 2000 wichen die Autohersteller auf Platin aus. Auch damit lassen sich Katalysatoren herstellen. Diesmal ist Platin keine Alternative – das Edelmetall kostet fast doppelt so viel wie Palladium.

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Streik in Südafrika

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  • Nicht ganz! Um das Pt und Pd aus den Katalysatoren zu 100% zurückgewinnen, müsste man einen nicht unerheblichen Teil davon von der Straße holen. Das wird, soweit mir bekannt ist, bisher nur in England gemacht. Die Veolia Environmental Services gewinnt jedes Jahr stolze 1,5 to Platin aus dem Straßenstaub. Für Palladium hab ich leider keine Mengenangabe, wird aber natürlich auch zurückgewonnen.

  • @Pisa

    "Was ändert diese Zahl an der Sache?"

    Sonst ist aber alles in Ordnung bei Ihnen...?

  • @Bügle-r, die Zahl 37% mag ja richtiger sein als 50%, ich weiß aber nicht so recht, was Sie damit sagen wollen. Klingt ein bisschen nach Oberlehrer, der triumphierend aus irgendeiner Internetquelle eine 'richtigere' Zahl herauszieht. Was ändert diese Zahl an der Sache?

    Soso, Deutschland hat also die größten Erdgas-Speicher Europas(?). D dürfte aber auch den höchsten Verbrauch haben...
    Diese Erdgasspeicher werden aber dem Schwerlastverkehr, insbesondere dem Gütertransport auf Straße und Binnenschiff wenig nützen, wenn Mineralölmangel herrscht. Was wollen Sie also mit diesem Internetzitat zum Ausdruck bringen?
    Vermutlich nichts.

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