Palladium Russlands „Geheimwaffe“

Russland lässt sich von Sanktionen nicht einschüchtern. Das Land könnte nicht nur Lieferungen von Öl und Gas einschränken. Es gibt ein Metall, bei dem die Abhängigkeit noch größer ist. Die Autoindustrie wäre betroffen.
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Palladiumbarren: Der Preis für das Edelmetall ist in diesem Jahr um zehn Prozent gestiegen. Quelle: Reuters

Palladiumbarren: Der Preis für das Edelmetall ist in diesem Jahr um zehn Prozent gestiegen.

(Foto: Reuters)

DüsseldorfRussland will sich nicht durch Sanktionen einschüchtern lassen – und droht stattdessen mit Gegenmaßnahmen. Sanktionen seien eine „Sackgasse“, sagte Ministerpräsident Dmitrij Medwedjew am Dienstag im Parlament. Wenn der Westen sie trotzdem verhänge, habe Russland „keine andere Wahl“, als sich dagegen zu wehren. Das heißt konkret: Russland könnte die Lieferung wichtiger Rohstoffe einschränken. Die meisten denken dabei an Öl und Gas. Doch es gibt ein Metall, bei dem der Grad der Abhängigkeit noch höher ist: Palladium.

Der Markt für Palladium ist klein, der Einfluss des russischen Staates umso größer. Russland kommt auf einen Anteil von gut 42 Prozent an der weltweiten Förderung. Norilsk Nickel, der größte Produzent, muss Exporte mit der staatlichen Schatzkammer Gokhran, einer Abteilung des russischen Finanzministeriums, abstimmen. In der Vergangenheit hat der Staat einen Teil der Produktion aufgekauft. Wie groß die Vorräte aktuell sind, ist nicht bekannt. Experten schätzen, dass die Lagerbestände in den vergangenen Jahren weitgehend abverkauft wurden. Palladium wird oft als Beiprodukt der Förderung von anderen Metallen gewonnen.

Schon einmal, im Jahr 2000, versetzte Russland den Markt in Aufruhr. Damals verzögerte die Regierung die Erteilung offizieller Ausfuhrquoten. Es kam zu Lieferengpässen. Der Preis für Palladium verdoppelte sich. Er stieg über 1000 Dollar je Unze – ein bis heute nie wieder erreichtes Allzeithoch. Die Industrie suchte daraufhin Alternativen. Auf den Schock folgte der Absturz. Der Preis sackte auf 200 Dollar ab. Es dauerte Jahre, bis sich die Lage wieder beruhigte.

In diesem Jahr ist der Preis für Palladium um zehn Prozent gestiegen – was neben den Ängsten um Russland auch an Streiks in Südafrika lag. Eine Unze kostete zeitweise fast 800 Dollar. Sollte der Konflikt um die Ukraine eskalieren, könnte es weiter nach oben gehen. „Es ist nicht auszuschließen, dass es zu Lieferengpässen kommt. Ich würde das nicht unterschätzen“, sagt Eugen Weinberg, Rohstoffexperte der Commerzbank.

Autoindustrie auf Palladium angewiesen

Einen vollständigen Stopp der Lieferungen wird sich Russland nicht leisten können - zu abhängig ist das Land von Exporterlösen. Aber schon jetzt ist die Nachfrage nach Palladium größer als das Angebot. Die weltweite Produktion liegt bei 200 Tonnen. Analysten von Barclays rechnen in diesem Jahr mit einem Angebotsdefizit von 24,4 Tonnen.

Höhere Preise treffen vor allem die Autoindustrie. Palladium wird für Katalysatoren in Benzinmotoren verwendet. Etwa 60 Prozent des weltweiten Verbrauchs von Palladium entfallen auf die Produktion von Autos. Der Rest wird von der Elektro- und Chemieindustrie sowie für Zahnersatz verwendet. Im Jahr 2000 wichen die Autohersteller auf Platin aus. Auch damit lassen sich Katalysatoren herstellen. Diesmal ist Platin keine Alternative – das Edelmetall kostet fast doppelt so viel wie Palladium.

Streik in Südafrika
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17 Kommentare zu "Palladium: Russlands „Geheimwaffe“"

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  • Nicht ganz! Um das Pt und Pd aus den Katalysatoren zu 100% zurückgewinnen, müsste man einen nicht unerheblichen Teil davon von der Straße holen. Das wird, soweit mir bekannt ist, bisher nur in England gemacht. Die Veolia Environmental Services gewinnt jedes Jahr stolze 1,5 to Platin aus dem Straßenstaub. Für Palladium hab ich leider keine Mengenangabe, wird aber natürlich auch zurückgewonnen.

  • @Pisa

    "Was ändert diese Zahl an der Sache?"

    Sonst ist aber alles in Ordnung bei Ihnen...?

  • @Bügle-r, die Zahl 37% mag ja richtiger sein als 50%, ich weiß aber nicht so recht, was Sie damit sagen wollen. Klingt ein bisschen nach Oberlehrer, der triumphierend aus irgendeiner Internetquelle eine 'richtigere' Zahl herauszieht. Was ändert diese Zahl an der Sache?

    Soso, Deutschland hat also die größten Erdgas-Speicher Europas(?). D dürfte aber auch den höchsten Verbrauch haben...
    Diese Erdgasspeicher werden aber dem Schwerlastverkehr, insbesondere dem Gütertransport auf Straße und Binnenschiff wenig nützen, wenn Mineralölmangel herrscht. Was wollen Sie also mit diesem Internetzitat zum Ausdruck bringen?
    Vermutlich nichts.

  • Das Kain-Abel-Verhältnis der slawischen Brüder Polen und Russland ist ein GZSZ-Kapitel für sich. Aber die Daten mit denen Sie Ihre polnischen Freunde erschreckt haben, sind falsch. Deutschland bezog 2012 ca. 37% seiner Öl-/Gasimporte aus Russland.

    http://www.peak-oil.com/2013/07/deutschlands-lieferlaender-2012/
    http://www.welt.de/wirtschaft/energie/article125380438/Deutschland-hat-die-groessten-Erdgasspeicher-Europas.html

    Optimal diversifiziert wären Sie, wenn kein einzelner Lieferant mehr als ein Drittel liefert. Wenn es entsprechenden Rabatt gibt, sollte man aber ggfls. fünfe gerade sein lassen. Ist eben eine Abwägung...

    Den Hintergrund zur paranoiden Russland-Einkreisungspolitik der USA und die Blaupause für die Vorgänge in der Ukraine finden Sie hier:

    http://www.hintergrund.de/20080826235/politik/welt/die-welt-als-schachbrett-der-neue-kalte-krieg-des-obama-beraters-zbigniew-brzezinski.html

  • @ MJM1605

    Zitat : Dieses ewige USA Butchering

    Lesen und debattieren bildet !

    http://www.zeit.de/2014/16/russlanddebatte-krimkrise-putin/komplettansicht

  • Dieses ewige USA Butchering geht ziemlich auf die Nerven. Wo war den Deutschland nach dem Krieg?
    Und wie hat sich Deutschland nach dem Krieg im Westen (mit finanzieller und freiheitlicher Hilfe der USA) und wie hat es sich im Osten (unter Herrschaft des totalitären Russisch-Bolschewikische Systems) entwickelt? Wollen wir doch mal die Kirche im Dorf lassen! Herr Putin ist Kind (ex KGB) des alten Systems und kann es einfach nicht verknusen dass sich die UDSSR (durch hohe Schulden und mangelnder Produktivität selbstverschuldet) aufgelöst hat. Nun möchte er, geleitet von seinen Allmachtsfantasien, diese wieder herstellen. Warum wird hier eigentlich immer in den Teller gespukt von dem man ist? Jeder der Aggression und Völkerrechtsverletzungen gut heißt oder auch nur (aus selbstsüchtigen, ...man könnte einem ja etwas weg nehmen...., Motiven) toleriert, macht sich mit schuldig und muss sich dann über die Konsequenzen nicht wundern.

  • Es ist mir neu, dass die BRD durch Brzezinski und Wolfowitz gezwungen wurden, sich zu 50% von russischem Gas und Öl abhängig zu machen. Wenn diese Beiden dazu überhaupt etwas gesagt haben, hätten sie sicher davon abgeraten.
    Lange lange Zeit vor der Krise, hatte ich polnischen Freunden gegenüber mal erwähnt, dass die Hälfte des deutschen Energiebedarfs nabelschnurartig von Russland geliefert wird. Die Antwort war zunächst lautes Gelächter, weil meine polnischen Freunde dies für einen makraben Witz hielten. Erst als sie merkten, dass es der unglaublichen Realität entsprach, folgte betretenes Schweigen, und eine deutliche Geringschätzung der Kompetenz deutscher Politiker.
    Ja, unsere Politiker...weiter als bis zum nächsten Tag denken sie nicht, Hauptsache man kann mit dem gerade herrschenden Mainstream mit schwimmen und bei den ebenso inkompetenten Wählern mit ein paar Schnellschüssen Punkte machen...EEG, EZB, ESM, EURO, EU, Osterweiterung, NSA usw. usw.--- mir wird schwindlig...
    @Dissident, können Sie Ihre Behauptung belegen?

  • Da kann man doch mal sehen, mit welcher Verzweiflung versucht wird Stimmung zu machen.
    Ich bin mir sicher, das Putin, bzw. Russland ganz andere Optionen hat, als einen Kat einige Eurocent teurer werden zu lassen. Das sind unterm Strich doch keine Summen.
    Dieser ganze Sanktionsschwachsinn spielt lediglich den Amerikanern in die Hände, Europa also hauptsächlich Deutschland darf die Zeche bezahlen. Ich habe das schon mal geschrieben, trotzdem weil es so schön ist, Gazprom bekommt durch die genialen Strategen in Berlin das an die Ukraine gelieferte Gas bezahlt und als Bonus ab sofort auch noch Weltmarktpreise. Die Krim hat Putin auch wieder, weil kein dummer Dorftrottel zugelassen hätte, die Schwarzmeerflotte in die Hände der durchgeknallten aber vorsorglich schon mal, seitens unserer Führungselite, anerkannten Putschisten fallen zu lassen. Die Amis werden nicht locker lassen, weil sie sich verzockt haben aber das Öl und Gas aus der Ukraine haben wollen. Aus der Vergangenheit wissen wir ja, dass für diesen friedliebende Nation ein Krieg, noch dazu auf einem anderen Kontinent, durchaus als probates Mittel angesehen wird, denn selbst daran wird ja gut verdient.
    Wir sollten gaaaanz schnell unsere Lage überdenken, ich kann mir jedoch nicht vorstellen, dass in Berlin mal jemand das Gehirn einschaltet, passiert ja sonst auch nicht, weder bei der Südstaaten Vernichtung durch unsere Chef Volkswirtin Merkel, noch beim NSA Skandal, der ja schon lange beendet wurde. Wie hieß er noch, der Innenminister? Bin mal auf das nächste Griechenland "Rettungspaket" gespannt. Lol

  • @donolli
    "Letzte Woche Gesetz verabschiedet, daß die Gemeinden ihre Bürgermeister nicht mehr selber wählen dürfen sondern von Moskau eingesetzt werden."

    Was möchten Sie mit dieser Falschmeldung bezwecken?

  • Zitat : Russland könnte die Lieferung wichtiger Rohstoffe einschränken. Die meisten denken dabei an Öl und Gas. Doch es gibt ein Metall, bei dem der Grad der Abhängigkeit noch höher ist: Palladium.

    - Nicht nur Palladium. Der Europäische Airbus wird mit 60 % seines Titanbedarfs aus Russland gedeckt.

    Die Europäer würden sich als Getriebene der Amis mit den Sanktionen so an das eigene Bein pinkeln, dass es zu zersetzen drohen wird.

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