Paradigmenwechsel am Devisenmarkt
Sinkflug des Euro gilt als noch nicht beendet

Der Sinkflug des Euro ist Analysten zufolge noch nicht beendet. Die Konsolidierung der Gemeinschaftwährung dürfte sich auch in der kommenden Woche fortsetzen, wenn auch nicht mehr so dramatisch.

vwd FRANKFURT. Sechs Handelstage in Folge habe der Euro Schwäche gezeigt, und sei dabei unter die psychologisch wichtige Marke bei 1,10 Dollar gefallen, erklärt Eugen Keller, Devisenanalyst beim Bankhaus Metzler.

Der Wachstumsnachteil der Eurozone sei für die Marktteilnehmer klar ersichtlich, vier der fünf großen Euroländer befänden sich in der Rezession. Anleger hätten daher am Devisenmarkt einen Paradigmenwechsel vollzogen: Weg vom langfristig belastenden US-Doppel-Defizit hin zur Wachstumsdynamik der US-Konjunktur, so Keller. Unter den überwiegend positiven US-Daten deutet Keller zufolge besonders der Geschäftsausblick für die kommenden sechs Monate eine zunehmende Wachstumsdynamik an. Dieser sei nämlich auf dem höchsten Stand seit Februar 1983.

Zwar sei der Euro mittlerweile überverkauft, es bestehe aber weiter die Gefahr, dass konjunkturelle Enttäuschungen aus Euroland gepaart mit guten US-Daten das positive Dollar-Momentum nochmal beschleunigen, gibt Keller zu bedenken. Daraus ergebe sich ein Abwärtsrisiko bis 1,0750 Dollar. Andere Analysten sehen den Euro sogar bis auf 1,05 Dollar abrutschen. Allerdings rechnen sie auch damit, dass die Konsolidierung nur vorübergehend ist, und sich der Euro mittelfristig wieder erholen wird.

Dieser Meinung ist Alexandra Bechtel, Devisenexpertin bei Commerzbank Scurities. Positive US-Daten seien in der jüngsten Vergangenheit teilweise überbewertet, negative dagegen gar nicht beachtet worden. Die Konjunktur-Euphorie birgt ihrer Ansicht nach ein großes Enttäuschungspotenzial. Das Risiko sei hoch, dass die kommenden US-Wirtschaftsindikatoren enttäuschen. So werde zum Beispiel der jüngste Stromausfall an der Ostküste die US-Wirtschaft temporär belasten.

Bechtel erwartet negative Auswirkungen bei der Industrieproduktion wegen des Produktionsausfalls bei den Energieversorgern und den Automobilherstellern. Diese könnten den Chicago-Einkaufsmanagerindex und den kommenden Arbeitsmarktbericht belasten, da der Stromausfall genau in die Woche fiel, in der die Arbeitsmarktumfrage stattfand. Zwar dürften die Auswirkungen nur vorübergehend sein und das US-BIP nicht verzerren, dennoch könnten die kommenden Wirtschaftsindikatoren auf Grund er hohen Erwartungen enttäuschen und den Dollar unter Druck bringen, so die Analystin. Dann könne es für den Euro wieder aufwärts gehen bis 1,13/14 Dollar.

Zum Währungspaar Euro/Yen gibt es von den Analysten von Morgan Stanley eine klare Aussage. „Euro gegen den Yen verkaufen“, sagt Analyst Stephen Jen. Er nennt ein Kursziel von 125 Yen. Die japanische Wirtschaft sei auf dem Weg der Besserung und werde wahrscheinlich noch für positive Überraschungen sorgen. Größerer ausländischer Kapitalzufluss in japanische Aktien würde den Euro und auch den Dollar zum Yen weiter unter Druck setzen, so Jen.

Japanische Titel sind seiner Ansicht nach weiterhin unterbewertet. Zudem gebe es noch zuwenig ausländische Anleger. Mit Blick auf diese Ausgangsposition sei das Aufwärtspotenzial für den Nikkei und den Yen sehr groß, konstatiert der Devisenexperte von Morgan Stanley.

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