Parallele zu Kobe-Beben: Japanischer Yen trotzt der Katastrophe

Parallele zu Kobe-Beben
Japanischer Yen trotzt der Katastrophe

Die Investoren fliehen vom japanischen Aktienmarkt, doch die Landeswährung Yen legt zu. Die Japaner holen Kapitals zurück ins Land, internationale Investoren lösen Carry Trades auf. Doch das Bild könnte sich bald drehen.
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DüsseldorfTrotz des Jahrhundertbebens in Japan und der nun drohenden Atomkatastrophe halten die Investoren der Landeswährung Yen bisher die Treue. Dass der Yen sich trotz der Horrornachrichten aus Japan an den Devisenmärkten stabil hält, begründen Analysten zu Wochenbeginn vor allem damit, dass japanische Anleger Investitionen aus aller Welt nach Hause zurückholten. Zudem lösten internationale Investoren Geschäfte auf, die sie mit Yen-Krediten günstig finanziert hatten. Auf längere Sicht könnte sich der Yen aber sehr wohl abschwächen, sagen Marktbeobachter.

Schon nach dem schweren Erdbeben im japanischen Kobe Anfang 1995 war der Yen angestiegen und hatte in der Folge sogar sein Rekordhoch erreicht: Für einen Dollar mussten seinerzeit nur noch 79,70 Yen bezahlt werden. Am Montagmorgen geriet diese Marke wieder in Reichweite, der Dollar fiel auf bis zu 80,68 Yen, den tiefsten Stand seit Anfang November. Auch die Nachfrage nach japanischen Staatsanleihen stieg. Entsprechend fiel die Rendite für zehnjährige Papiere des Kaiserreichs auf ein Dreimonatstief von 1,191 Prozent.

Ein Faktor für die Nachfrage nach Yen ist laut Analysten Repatriierung, also die Rückholung von im Ausland angelegtem Geld. „Typischerweise wertet nach einem Erdbeben die jeweilige Heimatwährung auf, in diesem Fall der Yen, da die inländischen Versicherungen ihre Kapitalanlagen im Ausland auflösen und Kapital repatriieren“, heißt es in einem Marktkommentar des Bankhauses Metzler. Nach Einschätzung der UniCredit tauschen derzeit ohnehin viele japanische Investoren zum nahenden Ende des Fiskaljahres Geld in Yen zurück.

Die Repatriierung japanischer Investitionen könnte auch am Markt für US-Staatsanleihen Auswirkungen haben. Japan ist nach China der zweitgrößte Gläubiger der USA und hält Währungsreserven von 900 Milliarden Dollar. „Ein großer Anleihenkäufer ist aus dem Markt genommen“, sagte Dan Fuss, Vizechef der Fondsgesellschaft Loomis Sayles. Zudem werde Japan wohl Währungsreserven für den Wiederaufbau einsetzen.

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