Peking befürchtet Aufwertung des Yuan
China will Landeswährung nicht frei schwanken lassen

China will dem wachsenden Druck der USA und ihrer Verbündeten standhalten und die Währung nicht frei schwanken lassen. Beim Besuch von US-Finanzminister John Snow bekräftigte die Regierung in Peking am Dienstag ihre Wechselkurspolitik, die auf einer enge Anbindung des Yuan an den Dollar beruht.

Reuters PEKING. Dagegen bekräftigte ein Sprecher des US-Präsidialamtes die Haltung der USA, die Wechselkurse sollten sich am Markt bilden. Der Internationale Währungsfonds (IWF) schloss sich der Forderung der USA und Japans an, China sollte sein Wechselkurssystem flexibler gestalten. In den USA wird der Verlust von Millionen Arbeitsplätzen im Verarbeitenden Gewerbe vor allem auf die Konkurrenz aus China zurückgeführt, die durch den künstlich niedrigen Wechselkurs einen unfairen Wettbewerbsvorteil habe. Chinas Wirtschaft wächst derzeit so stark wie keine andere auf der Welt.

Kurz nach dem Eintreffen von Snow in Peking erklärte der Sprecher das chinesischen Außenministeriums am Dienstag: „China wird die stabile Situation seines Wechselkurses weiterhin beibehalten.“ Dies entspreche der wirtschaftlichen Stabilität und Entwicklung Chinas sowie der ganzen Region und der Weltwirtschaft. Entsprechend der Entwicklung des Landes werde auch der Wechselkursmechanismus verbessert.

Der Sprecher des US-Präsidialamtes, Scott McClellan erklärte vor der Presse in Washington: „China hat in der Vergangenheit signalisiert, allmählich mehr Flexibilität einführen zu wollen, und das ist etwas was wir unterstützen und wozu wir ermutigen. Aus unserer Sicht werden die Wechselkurse am besten an offenen Märkten im Wettbewerb festgesetzt, wobei Interventionen auf ein Minimum begrenzt sein sollten.“ Es sei ein wichtiger Schritt, dass Finanzminister Snow diese Frage bei seinem Besuch in China anspreche, fügte er hinzu.

Köhler Flexiblere Wechselkurse im Interesse Chinas

Snow hatte am Vortag mit seinem japanischen Kollegen Masajuro Shiokawa auch über die chinesische Währung Yuan gesprochen. Die beiden Politiker waren sich einig, dass der Wert des Yuan vom Markt bestimmt werden sollte. Seit 1995 kostet ein Dollar um die 8,3 Yuan. „Wir waren uns einig, dass er floaten sollte“, fasste Shiokawa vor Journalisten das Ergebnis seines Gesprächs mit Snow zusammen. Snow wollte in China den Zentralbankgouverneur Zhou Xiaochuan und Finanzminister Jin Renqing treffen.

Auch IWF-Direktor Horst Köhler forderte China zu mehr Flexibilität beim Wechselkurs auf: „Der IWF ist schon seit geraumer Zeit der Ansicht, dass es im besten Interesse Chinas wäre, schrittweise ein flexibleres Wechselkurssystem zu schaffen.“ Damit könnte die Zentralbank des Landes ihre Kontrolle über die Geldmenge verbessern und zudem die Wirtschaft besser von inländischen und ausländischen Schocks bewahren.

China fürchtet bei einer Freigabe des Wechselkurses eine Aufwertung des Yuan gegenüber dem Dollar, was die Exporte erschweren würde. Der Handelsüberschuss Chinas mit den USA beläuft sich auf 103 Milliarden Dollar.

US-Industrie kritisiert Japan

In der staatlichen „China Daily“ hieß es am Dienstag, China mache den Wert des Yuan nicht von den US-Präsidentenwahlen 2004 abhängig. Seit dem Amtsantritt von George W. Bush im Januar 2001 hat das Verarbeitende Gewerbe der USA rund 2,5 Millionen Arbeitsplätze abgebaut. Die oppositionellen Demokraten werfen der Regierung Bush vor, sie habe die US-Wirtschaft nicht geschützt.

Die US-Industrie wirft auch Japan vor, durch Interventionen den Wert seiner Währung niedrig zu halten, um die einheimische Exportindustrie zu unterstützen. Nach offiziellen Angaben haben Snow und Japans Finanzminister Shiokawa nicht über die japanischen Interventionen gesprochen.

Snow wird am Mittwoch in Thailand zu einem Treffen der asiatisch-pazifischen Finanzminister erwartet. Auch dabei dürfte der Yuan im Mittelpunkt stehen.

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