Pfund unter Druck
Die Angst vor dem Brexit

Die britische Notenbank hat abermals vor den Folgen eines Austritts Großbritanniens aus der EU gewarnt. Das Referendum sei das „kurzfristig größte Risiko für die Finanzstabilität des Landes“.

DüsseldorfDie britische Notenbank hat vor negativen Folgen eines Austritts des Landes aus der Europäischen Union gewarnt. Sollten die Briten beim Referendum am 23. Juni für ein EU-Aus stimmen, könnten die Kreditkosten steigen, der Kurs des Pfund weiter fallen und die Finanzierungskonditionen für Hauskäufer und -besitzer ungünstiger werden, warnte die Bank of England (BoE) am Dienstag. „Der Ausblick für die Finanzstabilität hat sich seit dem letzten Quartalsbericht vom November verschlechtert.“

Die Zentralbank hatte bereits mitgeteilt, Notfall-Pläne in der Schublade zu haben, sollte es zu finanzpolitischen Instabilitäten kommen. Einer klaren Empfehlung zum Referendum über den sogenannten Brexit hat sie sich aber bislang enthalten. Sie betonte aber, dass das Referendum das „kurzfristig größte Risiko für die Finanzstabilität des Landes“ sei.

Aus dem finanzpolitischen Ausschuss hieß es weiter: „Schaut man voraus, so könnte eine verstärkte und länger andauernde Unsicherheit zum Anstieg der Risikoprämien führen, die Anleger für alle möglichen Engagements in Großbritannien fordern“. Das könnte die Kosten und die Verfügbarkeit von Finanzierungen für viele Kreditkunden beeinflussen.

„Die Bank versucht Spielraum nach unten zu schaffen, um Handeln zu können, falls es beispielsweise zu einem Brexit kommt“, erklärte Philip Rush, Ökonom für Großbritannien bei Nomura International Plc in London vor dem Beschluss. Jane Foley, Analysten bei Rabobank International in London, sagte, dass man noch nicht wissen könne, ob es bei einem „Brexit“ mit dem Pfund-Kurs weiter nach unten gehen werde. „Gibt es aber keinen Austritt, dürfte wir eine Börsenrally erleben“, erläuterte sie den alternativen Ausgang der Abstimmung.

Der Pfund-Kurs ist in den vergangenen Monaten immer weiter gefallen. Das erste Quartal 2016 dürfte das schwächste seit 2009 für die britische Währung werden. An den Optionsmärkten gibt es zudem Indikatoren, dass die Währung in den nächsten drei Monaten noch weiter fallen wird. Am Dienstag notierte die Währung bei 1,4284 Dollar für ein britisches Pfund. Seit Jahresbeginn ist der Wechselkurs um 3,3 Prozent gefallen.

Julian Trauthig
Julian Trauthig
Handelsblatt / Deskchef Finanzen
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