Phil Suttle
„Das Einschlagen auf Peking ist falsch“

Phil Suttle, Vize-Chef des Institute for International Finance, des Verbands der Großbanken, kann die scharfe Kritik an Chinas Währungspolitik nicht nachvollziehen. Im Interview mit dem Handelsblatt spricht er über eine mögliche neue Währungsordnung.
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Handelsblatt: Befindet sich die Welt in einem Währungskrieg?

Phil Suttle: Offensichtlich fühlt sich das für manche bereits so an. Das Problem ist: Über die Kapitalströme kommt derzeit sehr viel Druck von den entwickelten Ländern auf die Schwellenländer.

Brauchen wir eine neue Weltwährungsordnung?

Darauf zu hoffen wäre unrealistisch. Aber die Politik muss sich viel mehr koordinieren und klar darüber werden, welche Effekte ihr Handeln auslöst.

Wäre Peking da mit im Boot?

Ja. Es ist jetzt schon faszinierend zu sehen, dass China seinen Markt immer weiter öffnet und damit auch den Yuan als internationale Währung begreift. Ich denke, dass man sich dort eine jährliche Aufwertung von fünf Prozent vorstellen kann.

In den USA wird eine Aufwertung von 25 Prozent gefordert.

Wenn das geschähe, dann bräche der chinesische Markt ein. Das können wir nicht wollen. Denn dann wären wir alle schlechter dran.

Dann ist das Einschlagen auf Peking falsch?

Ja. Denn um was geht es denn eigentlich? Es geht um die globale Nachfrage, heute mehr denn je. Früher haben wir die globale Nachfrage gesteuert, indem wir an der Zinsschraube gedreht haben. Aber das funktioniert nicht mehr. Und China ist die größte Quelle der Nachfrage.

Was ist jetzt zu tun?

Die Welt ist viel zu abhängig von den USA geworden. Es kann nicht sein, dass wir immer nur auf die USA blicken, wenn es um Führung geht. Wir müssen wegkommen von der Droge der amerikanischen Konjunkturspritzen. Andere Länder müssen jetzt Handlungsfähigkeit beweisen, darunter Deutschland.

Markus Ziener ist Korrespondent in Washington.
Markus Ziener
Handelsblatt / Korrespondent

Kommentare zu " Phil Suttle: „Das Einschlagen auf Peking ist falsch“"

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  • Ablenkungstaktik hin oder her. Das Einschlagen auf China ist richtig kommt aber gute 10 Jahre zu spät. Es kann nicht sein das die 2. größte Wirtschaftsmacht der Welt so eine Kindergarten-Währungspolitik fährt und sagt "Wir sind immer billiger als ihr! Ätsch!"
    Das kommt davon wenn man Kommunisten im Kapitalismus mitspielen lässt.

  • Die Amerikaner tun alles um von den eigenen Problemen abzulenken, wenn´s sein muss auch zündeln.
    inhaltlich steht Geithner´s Argument sowieso auf wackeligen beinen.

    Auch eine Aufwertung des Renminbi wird nicht die Probleme Amerika´s mit hoher Arbeitslosigkeit, zu wenig Produktion, exzessiver Überschuldung und strukturellen Problemen im Finanzwesen lösen.

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