Pleite-Debatte
Bundesregierung schwächt Euro

Erst Starks Rücktritt, dann die Gerüchte um eine Griechenland-Pleite - das ist zu viel für den Euro. Die europäische Währung verliert binnen drei Handelstagen über fünf US-Cent und fällt zeitweise unter 1,35 Dollar.
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FrankfurtMit ihrer öffentlichen Diskussion um eine Staatspleite Griechenlands hat die deutsche Bundesregierung am Montag den Euro weiter geschwächt. In der Spitze fiel der Euro um eineinhalb US-Cent auf rund 1,35 Dollar, den tiefsten Stand seit Februar. Innerhalb von drei Handelstagen hat die Gemeinschaftswährung damit mehr als fünf US-Cent eingebüßt - der größte Kurssturz seit der Einführung an den Finanzmärkten 1999. „Solange die Ungewissheit über Griechenland anhält, ist das eine Katastrophe für den Euro“, erklärte Sebastian Sachs, Devisenanalyst beim Bankhaus Metzler in Frankfurt. „Der Markt weiß nicht, ob es nur um Griechenland geht oder ob ein Auseinanderbrechen der Euro-Zone droht.“ Auslöser der Talfahrt am Montag waren Aussagen des deutschen Vizekanzlers und Wirtschaftsministers Philipp Rösler (FDP), der eine geordnete Insolvenz Griechenlands für denkbar hält.

Laut Medienberichten laufen im Bundesfinanzministerium Planspiele, ob und wie ein Bankrott des Landes beherrschbar wäre. Griechenlands Regierung erklärte, das Land sei noch bis Oktober zahlungsfähig. Faktisch wäre eine Staatspleite schon bald Realität, wenn Griechenland nicht die ausstehende sechste Tranche von acht Milliarden Euro aus dem 110 Milliarden Euro schweren ersten Hilfspaket seiner Euro-Partner und des Internationalen Währungsfonds (IWF) erhält. Weil das Land seine Sparzusagen bisher nicht einhalten kann, liegt die Tranche auf Eis.

Die Kosten für eine Kreditausfallversicherung (CDS) griechischer Papiere erreichten mit 3,950 Millionen Euro für fünfjährige Papiere mit einem Volumen von zehn Millionen Euro einen neuen Rekord. Die Renditen der zweijährigen griechischen Anleihen galoppierten auf über 75 Prozent. „Allerdings ist der Handel mit den Papieren äußerst zäh, so dass die Wahrheit woanders liegen dürfte, wenn man das Papier kaufen wollte - vielleicht sogar noch höher“, sagte ein Börsianer. „Die werden praktisch nicht mehr gehandelt“, fügte ein anderer hinzu.

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  • Der Euro ist zur Ideologie verkommen, die Scheuklappen aufsetzt. Der Euro wird scheitern wie der Sozialismus. Ich freu mich unbändig darauf.
    Eine EUSSR als "europäisches Projekt" brauche ich auch nicht. Ich bin lieber frei, als mir von überheblichen, arroganten und ignoranten "Eliten" vorschreiben zu lassen, dass ich mein Einkommen für ein "politisches Projekt" hergeben soll.
    Wenn der deutsche Steuerzahler letztendlich kapiert, dass seine Ersparnisse schon verfressen sind, dann wird es spannend. Auch darauf freue ich mich, wenn die Merkel, der Schäuble, der Steinbrücke, etc. sich im Fernsehen hinstellen müssen und zugeben, dass die Ersparnisse weg sind. Ich klopf mir schon jetzt auf die Schenkel bei dem Gedanken.
    Merke: Den Euro in seinem Lauf halten weder Schäuble noch EZB auf!

  • Warum loest man den Euro nicht aus den Schulden der Eurostaaten heraus indem die Schulden der jeweiligen EU Staaten ausschliesslich in einer neu (-wieder) einzufuehrenden Landeswaehrung gehalten werden koennen/duerfen. Der Euro koennte sich somit vielleicht als erste Waehrung ohne direkte nationalstaatliche Einflussnahme weltweit positionieren. Die schon diffamierende Polarisierung zwischen den "Nordstaaten" und den "PIGS" haette ein Ende. Jedes Land haette die Freiheit und mehr Moeglichkeiten seine Volkswirtschaft in Ordnung zu bringen und erst dann auf die Landeswaehrung zu verzichten wenn es den Stabilitaetskriterien tatsaechlich auch entsprechen kann - und will. Das verkrampfte Festhalten an Idealvorstellungen und einmal getroffenen Entscheidungen erinnert mich an die Aussage von Erich Honecker kurz vor dem Mauerfall; "Vorwaerts immer - Rueckwaerts nimmer".

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