Politik gefordert
Wie Rohstoff-Spekulanten zu stoppen sind

An den Rohstoffmärkten platzt wieder einmal eine Preisblase. Bevor die nächste aufgepumpt wird, muss die Politik handeln. Sie kann die Spekulation stoppen, wenn sie will.
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Die Wirtschaftspolitiker dieser Welt müssen endlich gefährliche Spekulanten und Finanzinvestoren in den Griff bekommen. Das ist die Lehre des Kurssturzes bei Rohöl, Silber, Zucker, Kakao und Kupfer in den letzten Tagen. Denn es zeigt sich: Die Politik hat vorher zu lange die Preissteigerungen am Rohstoffmarkt ignoriert - und damit auch deren unheilvolle Folgen für die Konjunktur. Im Gegensatz dazu hat die Europäische Zentralbank sie ernst genommen, aber als dauerhafte reale Preissteigerungen aufgefasst, die langfristig den Geldwert gefährden, und daher einen falschen geldpolitischen Schluss gezogen: nämlich den, durch eine Zinsanhebung gegenzuhalten.

Es gibt weder in der Realwirtschaft noch infolge politischer Entwicklungen in der Welt einen erkennbaren Grund dafür, warum der Ölpreis binnen Stunden um mehr als zehn Prozent einbrechen sollte, noch weniger für einen Rückgang des Silberpreises von über einem Viertel binnen Tagen. Die paar leicht schwächeren Konjunkturindikatoren waren Lappalien gegen die Unruhen im Nahen Osten oder die Katastrophen in Japan, die die Akteure an den Rohstoffmärkten mit einem Achselzucken weggesteckt hatten.

Der einzige Grund für den Einbruch in den vergangenen Tagen ist der, dass sich die Spekulation auf weitere Preissteigerungen überhitzt hatte. Das Preisniveau vieler Rohstoffe war so hoch, dass sich keine Käufer mehr fanden. Die schwächeren Konjunkturaussichten sind eher eine nachgeschobene Begründung.

Wie kam es überhaupt zu dem Preisanstieg? Natürlich sticht das Argument, dass steigende Nachfrage aus China und anderen Schwellenländern die Rohstoffpreise treibt. Aber dieses Argument kann nicht jede beliebige Steigerung erklären und rechtfertigen. Dazu müsste man schon feststellen, dass sich das Wachstum mit zunehmenden Raten erhöht. Das war nicht der Fall. Vielmehr hatte sich, wie das an den Finanzmärkten häufig der Fall ist, ein anfangs vernünftiger Preistrend verselbstständigt. Immer mehr Spekulanten setzten darauf, dass die Preise weiter steigen, allein weil sie schon so lange stiegen - die typische Bewegung bei einer Blase.

Je länger die Hausse dauerte, desto mehr Investorengeld floss in Rohstoffanlagen und trieb damit die Preise noch weiter. Doch obwohl schon die vorletzte Rohstoffpreisblase, die 2008 den Rohölpreis bis auf 150 Dollar je Fass getrieben hatte, offenbarte, wie wenig rational und wie schädlich die Rohstoffspekulation ist, haben unsere Wirtschaftspolitiker nichts gelernt.

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  • Keine Rendite auf Kosten der Ärmsten
    Jeder kann auf Geldanlagen verzichten, die Mensch und Umwelt schaden! Keiner braucht Finanzprodukte, die auf Kosten der Ärmsten mit Nahrungsmitteln spekulieren! Dafür setzt sich die Initiative handle-fair.de ein.

  • Durch die Spekulation auf RohÖl entsteht volkswirtschaftlich ein immenser Schaden, da enorm Kaufkraft entzogen wird. Die Steuer auf diese Termingeschäfte dürfte ruhig größer ausfallen... Nur welche Politiker haben die Stirn, den Minerölkonzernen, die kräftig als Insider mitspekulieren und die ihre Gewinne jedes Jahr so um die 50% anwachsen lassen, endlich die Grenzen aufzuzeigen?

  • Zunächst ist das nichts Neues, wenn mit Rohstoffen gehandelt wird. Daß zunehmend marktfremde Teilnehmer in die Märkte einsteigen, auch das ist nichts Neues: Märkte mußten sich nach einem Run von Fonds über die Rohstoffe stets erhohlen - was sie ja bislang auch stets getan haben. Inzwischen jedoch wird solchen Erholungsphasen eher ein nostalgischer Wert eingeräumt - wie es aussieht.
    Bezweifelbar muß indes der Sinn "einer kleinen Steuer" bleiben, um diese Runs zu kanalisieren: schließlich werden Rohstoffe, Getreide inzwischen z.B. als Treibstoffressource betrachtet: die Märkte wandeln sich also mit neuer Qualität.
    Da werden wohl keine fiskalischen Rezepte helfen.
    Entwicklungen solcher Art weisen lediglich darauf, daß das Wort Zukunft für viele ein Topos zu sein scheint, der von den Verantwortlichkeiten gegenwärtiger Akteure lediglich ablenkt.
    Schwer vorstellbar, wie beispielsweise der Getreidehandel seine ihm künftig zugedachte neue Rolle als Treibstofflieferant im Selbstverständnis verankern sollte, von gesellschaftspolitischen Konsequenzen solcher Entwicklungen mal ganz abgesehen.








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