Devisen + Rohstoffe
Politik gewinnt Einfluss an der Börse - 'Markt ist informiert'

Wahlkampf in den USA, Anschläge im Irak, Gespräche zwischen Putin und Schröder - das ist Politik, bei der die Börse hinschaut. Drei Jahre nach den Anschlägen auf das World Trade Center spielen geopolitische Entwicklungen für den Markt eine zunehmend wichtige Rolle. "Der Markt ist mittlerweile sehr gut informiert. Man kann nicht mehr sagen, Wirtschaftliches interessiert mich, Politisches nicht", sagt Raed Mustafa. Der Händler bei der Baden-Württembergischen Bank bestätigt damit die Einschätzung von Analysten und Wissenschaftlern: Die Börse wird zunehmend für geopolitische Ereignisse sensibilisiert.

dpa-afx FRANKFURT. Wahlkampf in den USA, Anschläge im Irak, Gespräche zwischen Putin und Schröder - das ist Politik, bei der die Börse hinschaut. Drei Jahre nach den Anschlägen auf das World Trade Center spielen geopolitische Entwicklungen für den Markt eine zunehmend wichtige Rolle. "Der Markt ist mittlerweile sehr gut informiert. Man kann nicht mehr sagen, Wirtschaftliches interessiert mich, Politisches nicht", sagt Raed Mustafa. Der Händler bei der Baden-Württembergischen Bank bestätigt damit die Einschätzung von Analysten und Wissenschaftlern: Die Börse wird zunehmend für geopolitische Ereignisse sensibilisiert.

Politische Entwicklungen Beeinflussen Märkte

"Es gibt das grundsätzliche Problem, dass fast jedes Ereignis eine wirtschaftliche Implikation hat", sagt Volker Nitsch, Juniorprofessor für Volkswirtschaftspolitik an der FU Berlin. Der Einfluss von politischen Strategien auf das Börsengeschehen sei in den vergangenen Jahren enorm gestiegen: "Die Interdependenzen haben zugenommen, in dem gleichen Maß wie alles, was unter das Schlagwort Globalisierung fällt, eine größere Rolle spielt", sagte der Wissenschaftler.

Für die internationalen Finanzströme wird immer wichtiger, was in der Welt passiert - unabhängig davon, wie weit der Ort des Geschehens vom Heimatmarkt entfernt ist. "Früher waren einheimische Faktoren sicher bedeutender", sagt Nitsch. Das weltweite Geschehen berührt den Markt auf zwei Wegen: Durch ganz reale Fakten und Nachwirkungen - wie etwa den Ölpreis - und über psychologische Einflüsse. Kriege und Unruhen im Irak etwa treiben die Öl- und Rohstoffpreise in die Höhe. Sie beeinflussen die Unternehmensbilanzen und damit Aktienkurse.

'Markt HAT Sich AN Schwebezustand Gewöhnt'

Psychologisch nimmt die politische Lage Einfluss auf die Börse, weil sie Investoren und Händler verunsichern kann. "Im Moment ist die Möglichkeit, dass ein Anschlag passiert, einfach sehr hoch", erklärt Heinz Stork, Marktstratege bei der Baader Wertpapierhandelsbank. Daraus resultiere eine große Unsicherheit, die sich nach und nach in den Kursen niedergeschlagen hat.

Mittlerweile hat nach Ansicht der Börsenkenner ein Gewöhnungseffekt eingesetzt. "Der Markt hat sich an eine Art Schwebezustand gewöhnt", sagt Stork. Händler Mustafa bekräftigt, die Börsen reagierten auf Anschläge weitaus gelassener als direkt nach dem 11. September 2001. Nur, wenn etwas größeres passiere, sei es noch zu spüren.

DAX Hängt AN DER Wall Street - US-Politik Entscheidend

Vor allem dann, wenn es die USA direkt betrifft: So bewegte die Geiselnahme in Beslan die Märkte kaum - der Konflikt zwischen Russland und Tschetschenien wird nicht als Bedrohung für die westliche Welt angesehen. Die Strategie der US-Politik spielt auch deswegen die entscheidende Rolle für Europa, weil die Wall Street das hiesige Börsengeschehen dominiert. "Der deutsche Markt geht sehr stark in Richtung des US-Marktes", bestätigt Stratege Stork. Eine gewisse Bedeutung für die Börse misst Stork der Bundesregierung aber doch bei. "Die Deutschen sind bekanntermaßen Exportweltmeister - damit fällt die deutsche Politik auf die Wirtschaft zurück."

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