Politische Unruhen im Andenland setzen Aktien der Gas-Produzenten unter Druck
Bolivien-Krise belastet Energie-Konzerne

Die politische Krise in Bolivien bringt die gesamte Energiematrix in Südamerika durcheinander – mit positiven wie negativen Folgen für die Aktien von Energie-Konzernen und Zulieferern in Brasilien, Argentinien und Chile. Der Grund: Das Andenland ist der wichtigste Gasexporteur auf dem Kontinent. Doch die Energieversorgung ist nun bedroht.

SAO PAULO/ BUENOS AIRES. Boliviens Präsident Carlos Mesa war nach mehrwöchigen, teils gewaltsamen Protesten zurückgetreten. Die bolivianische Opposition will am liebsten die gesamte Gasproduktion verstaatlichen, damit die Erträge breiten verarmten Schichten des ärmsten Landes Südamerikas zugute kommen.

Bereits jetzt hat das Parlament die Abgaben auf die Gasproduktion von 18 auf 50 Prozent erhöht. 78 Förderverträge sollen in den nächsten sechs Monaten neu ausgehandelt werden. Für die in Bolivien tätigen Unternehmen bedeutet das das Ende jeder Planungssicherheit.

Die wichtigsten Produzenten von Erdgas in Bolivien sind die brasilianische Petrobrás, die spanische Repsol, die französische Total und British Gas. Gemeinsam haben sie in den vergangenen fünf Jahren 3,5 Mrd. Dollar in Bolivien investiert, um von dort aus die gesamte Energieversorgung im südlichen Südamerika zu integrieren. Doch dieser Prozess ist jetzt vorerst gestoppt.

Mittelfristig könnte die Aktie von Petrobrás, einem der wichtigsten Blue-Chips in Lateinamerika, deshalb unter Druck kommen. Denn das bolivianische Erdgas spielt nicht nur als primäre Energiequelle eine wichtige Rolle – auch im Downstream (Vertiebs- und Marketing-Bereich) soll Erdgas eine immer größere Rolle spielen.

Petrobrás ist heute das größte Unternehmen in Bolivien. „Dort werden die Produktionskosten mindestens um die Hälfte steigen“, schätzen die Experten von Espírito Santos Research. Außerdem ist Petrobrás über eine Tochter verantwortlich für den Transport des bolivianischen Gases. Von der Industrie als Abnehmer des Gases verlangt der Staatskonzern gewinnträchtige Monopolpreise. Die Einnahmequelle könnte jetzt vorübergehend ausfallen. Auch die stärkere Beteiligung des Energie-Konzerns in der Petrochemie wird sich verlangsamen: Die Errichtung eines Petrochemiekomplexes an der bolivianisch-brasilianischen Grenze, in welche Petrobrás 1,5 Mrd. Dollar investieren wollte, wird jetzt neu geprüft. Gleichzeitig steigen die Erschließungskosten des Konzerns: Die brasilianische Regierung will die vor der Küste vorhandenen Gasvorkommen schneller erschließen, um die ausländische Abhängigkeit von Gas zu verringern.

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