Preis des Edelmetalls klettert auf Sechsjahreshoch
Fonds treiben den Silberpreis nach oben

Nichts, so scheint es, kann den Auftrieb des Silberpreises bremsen. Am Montag markierte das Edelmetall ein neues Sechsjahreshoch von 7,65 Dollar je Feinunze. Experten zufolge könnte der Silberpreis die 7,90-Dollarmarke knacken.

LONDON. Seit Jahresbeginn ist der Silberpreis um über 20 % gesteigen, binnen Jahresfrist gar um mehr als 60 %. Ingrid Sternby von Barclays Capital schließt nicht mehr aus, dass der Silberpreis die 7,90 Dollarmarke knackt. Nicht einmal die Ankündigung des US-Kamera- und Filmriesen Eastman Kodak Co. dieser Tage, er werde sich künftig verstärkt auf die Digitalphotographie ausrichten, konnte den Höhenflug bremsen. Und dies, obwohl Silber noch immer noch zu etwa 25 % seines Absatzes von der Photobranche abhängig ist. Ein weiteres Drittel geht in die Schmuckverarbeitung, 40 % in die industrielle Verarbeitung.

Bis vor kurzem noch hatte Analystin Sternby vor allzu großer Euphorie gewarnt. Schließlich könne die Nachfrage des Großverbrauchers Indien angesichts der Preissteigerungen schon bald nachlassen und China könnte mehr Silber aus seinen reichlichen Beständen abgeben. Amtliche Verkäufe und das Aufkommen an Altsilber decken immerhin 35 % des weltweiten Silberbedarfs, die Bergbauförderung dagegen nur 65 %. Doch inzwischen sieht sie das Metall „auf dem besten Wege“ zum letzten zyklischen Hoch von 7,90 Dollar je Unze. Damals hatte der US-Großanleger Warren Buffet den Markt mit der Nachricht überrascht, er habe 130 Mill. Unzen des Metalls aufgekauft – etwa ein Fünftel des weltweiten Angebots.

Der Silbermarkt gilt als „eng“; kleinere Käufe oder Verkäufe können bereits enorme Preisbewegungen auslösen. John Reade von UBS in London sieht vor allem die großen Fonds hinter den preistreibenden Käufen. Ihre Terminkontrakte an der New Yorker Comex, mit denen sie von weiteren Preissteigerungen profitieren wollen, haben bereits per Saldo mehr als das Volumen einer Jahresproduktion von Silber erreicht. Reade hält den gegenwärtigen Preis von über sieben Dollar aber „fundamental“ für nicht gerechtfertigt. „Aber wer will sich schon den Fonds in den Weg stellen?“

Für Shanquan Li vom Oppenheimer Gold & Special Mineral Fund hat Silber aber noch Potenzial: einerseits wegen seiner zahlreichen industriellen Anwendungsmöglichkeiten, andererseits werde es zunehmend als sicherer Hafen gegen eine weitere Schwächung des Dollar angesteuert.

Laut Kamal Naqvi von Barclays Capital waren die Befürchtungen übertrieben, der abnehmende Silberverbrauch in der herkömmlichen Photographie könne den Preis drücken. Denn jetzt stelle sich heraus, dass eine wachsende Zahl von Digitalaufnahmen als großformatige Photos ausgedruckt wird – auf Spezialpapier, das Silber enthalte. Das Silver Institute in Washington, eine Branchenlobby, frohlockt bereits: Auch wenn die Zahl der Abzüge von herkömmlichen Filmen schrumpft, die Ausdrucke von Digitalbildern werden von drei Mrd. auf 67 Mrd. in die Höhe schnellen.

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