Preis gestiegen Orangensaft wird knapp

Die Preise für gefrorenes Orangensaftkonzentrat werden weiter steigen – obwohl sie bereits jetzt historische Rekordmarken erreicht haben. Mit 180 US-Cents für ein britisches Pfund (rund 0,45 Kilo) an der Terminbörse New York Board of Trade sind die Preise für Auslieferungen im November allein in diesem Jahr um mehr als 40 Prozent gestiegen.

SAO PAULO. Innerhalb von zwei Jahren hat sich der Preis verdreifacht.

Der Grund für die Hausse: Die Lager der weltgrößten Produzenten USA und Brasilien sind leer. Der Output der Industrie hängt vollständig von der Ernte ab. Nachfrageanstiege oder Produktionsausfälle können nicht – wie in den vergangenen Jahren – aus Vorräten ausgeglichen werden. Dadurch ist der Preis für Orangensaftkonzentrat nicht nur gestiegen, sondern auch volatil geworden. Denn über die Erntemenge bestimmt zunehmend das Klima die Preise.

In den vergangenen drei Jahren haben die zur Jahresmitte einsetzenden Wirbelstürme über der Karibik auch auf Floridas Plantagen, dem zweitwichtigsten Anbaugebiet weltweit, großen Schaden angerichtet. Erstmals seit zehn Jahren musste die nordamerikanische Lebensmittelindustrie Orangensaftkonzentrat importieren. In Florida rechnet man auch für dieses Jahr mit dem Schlimmsten, da in den Vorjahren sieben von neun Hurrikanen auch die Plantagen im Bundesstaat beschädigten. Zwar hat sich die Produktion im Süden der USA wieder leicht auf rund 170 Millionen Kisten (eine Kiste entspricht 40,8 Kilogramm) erholt. Sie ist aber noch weit von den 242 Millionen Kisten der Ernte 2004/2005 entfernt.

In Brasilien hat Anfang Juli offiziell die Ernte für 2006/2007 begonnen. Im Bundesstaat São Paulo, wo 200 Millionen Orangenbäume die Rohstoffe für rund die Hälfte der Weltproduktion und 80 Prozent des weltweit gehandelten Konzentrats liefern, entscheidet sich zurzeit der Weltmarktpreis. Der Verband der Orangensaft-Exporteure Abecitrus hat jedoch Hoffnungen auf eine Superernte oder höhere Produktion in Brasilien bereits enttäuscht: Von den 340 Millionen Kisten, die dieses Jahr als Ernte zu erwarten seien, würden rund 310 bis 320 Millionen zu Konzentrat verarbeitet. Damit reduziere sich die für den Export zur Verfügung stehende Menge deutlich, heißt es bei Abecitrus.

In den vergangenen zwei Jahren kompensierten die brasilianischen Weltmarktführer die Ausfälle in den USA noch mit Liefermengen in Höhe von jeweils 1,35 und 1,4 Mill. Tonnen. „Wir haben die letzten drei Jahre bereits mehr exportiert als wir produziert haben“, sagt Ademerval Garcia, Sprecher von Abecitrus. Alleine im vergangenen Jahr sanken die brasilianischen Lagervorräte um rund ein Viertel, weil die Ernteausfälle in den USA ausgeglichen wurden. „Seit 2004 ist die Phase der historisch hohen Lagerbestände der brasilianischen Produzenten endgültig vorbei“, sagt Maurício Mendes von FNP, der führenden privaten Agrar-Beratungsfirma des Landes.

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