Preisanstieg
Agrarmärkte geben Warnsignale

Den stärksten Preisanstieg seit 1980 haben Agrarrohstoffe jetzt verbucht. Der GSCI Agricultural Commodities Subindex, zu zwei Dritteln aus Weizen, Mais und Soja bestehend, stieg binnen Jahresfrist um 67 Prozent. Ein Alarmzeichen für Anleihen- und Aktienmärkte. Erstmals seit 33 Jahren ist zwischen diesen und den Aktienkursen wieder ein inverser Zusammenhang zu beobachten.

RIGA. Der Vergleich der Bewegungsrichtungen zweier Anlageklassen (Intermarket-Vergleich) ist ein hilfreiches Mittel der technischen Analyse. So besteht zwischen Ölpreis und Aktienkursen seit Beginn des Bullenmarkts 2003 ein positiver Zusammenhang. Man konnte mit hoher Zuverlässigkeit Aktien kaufen solange der Ölpreis stieg. Derzeit spricht die schwächelnde Ölnotierung gegen Aktieninvestments. Erst bei einem stärkeren Einbruch des Öls könnte sich der positive Zusammenhang umkehren.

Bei den Agrarrohstoffen werden derzeit Erinnerungen an das Jahr 1974 wach, als Agrarrohstoffe ebenfalls mit 67 Prozent Jahresrate anstiegen und US-Aktien zeitgleich um 35 Prozent einbrachen. In jenem Jahr, die US-Wirtschaft ging gerade in eine tiefe Rezession, betrug der Anstieg der US-Verbraucherpreise rund 5,5 Prozent. Lebensmittelpreise inklusive lag die Inflation sogar bei 12 Prozent.

Interessant war damals, dass die Übernachtzinsen Anfang des Jahres noch sanken. Zur Jahresmitte hin stieg die Inflationsrate überraschend von vier auf über fünf Prozent, und die US-Notenbank musste ab Juni die kurzen Zinsen von 5,25 Prozent auf 6,5 Prozent scharf anheben, um der Inflation Herr zu werden. Die Kurse lang laufender Staatsanleihen gingen bereits nach einer Jahresauftaktsrally Ende Februar in einen sechsmonatigen Bärenmarkt. Im Dezember 1974 brachen die Agrarrohstoffe dann plötzlich um 20 Prozent ein - Aktien fanden endlich den Boden.

Fazit: Scharf ansteigende Getreide-Preise können zu starker Inflation führen. Auch aktuell könnte eine Überraschungsinflation die Zentralbanken zu Zinsanhebungen zwingen - mit entsprechend negativen Auswirkungen auf Anleihen- und Aktienmärkte. Der Autor Felix Pieplow ist Geschäftsführer der Investment Management Boutique "Staedel Hanseatic".

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