Preisanstieg bei Rohstoffen
Und ewig lockt die Geschichte vom Superzyklus

Die Welt ist wieder einmal im Goldrausch. Viele Menschen misstrauen den Notenbanken und ihrer großzügigen Geldpolitik. Das viele Geld, das die Währungshüter in die Märkte pumpen, um die Finanzkrise zu bändigen, werde schon bald zu einem dicken Inflationsproblem führen, so die Überlegung.
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FRANKFURT. Die Investoren horten wieder Gold. Nichts scheint in Krisenzeiten verlässlicher und beständiger zu sein als das Edelmetall. Sogar die Notenbanken, insbesondere die der Schwellenländer, stocken ihre Goldbestände wieder auf, nachdem sie in den vergangenen Jahren eher das Gegenteil getan haben. Mittlerweile werden für eine Feinunze (31,1 g) rund 1 100 US-Dollar bezahlt; Anfang 2009 waren es noch weniger als 900 Dollar.

Ob es im kommenden Jahr weiter deutlich nach oben geht mit dem Goldpreis, ist bei Experten aber umstritten. Gerd Henning Beck, Fondsmanager bei Lupus Alpha, etwa mahnt zur Vorsicht. Zwar rechnet auch er 2010 mit einem Preis von bis zu 1 300 Dollar pro Feinunze. Allerdings sei der aktuelle Preis schon viel zu hoch. "Er hat sich von der Fundamentalsituation abgekoppelt", sagt Beck.

Obwohl Gold in aller Munde ist, sind die wirklichen Rohstoff-Stars des Jahres 2009 andere - die Industriemetalle etwa: Kupfer, Blei und Zink. Um mehr als 100 Prozent haben die Notierungen seit Anfang Januar zugelegt. Die Börsen spekulieren auf eine schnelle und kräftige Erholung der Weltkonjunktur, nachdem die Rohstoffpreise im Jahr zuvor eingebrochen waren. Diese Hoffnung hat auch den Ölpreis angetrieben. Mittlerweile kostet ein Barrel der US-Sorte WTI rund 78 Dollar; vor einem Jahr war es etwa die Hälfte.

Die Hoffnung auf einen baldigen Wirtschaftsaufschwung ist die eine, der Glaube an den sogenannten Superzyklus bei Rohstoffen das andere gewichtige Argument für steigende Preise. Weil die großen Schwellenländer künftig immer stärker wachsen, wird die Nachfrage nach Rohstoffen deutlich zunehmen, so die Theorie. Chinesen, Inder und Brasilianer brauchen tonnenweise Metalle für ihre Industrieproduktion; sie wollen besser essen, als sie das noch vor 20 oder 30 Jahren taten. Deshalb werden sie Fleisch kaufen, Zucker, Kakao und Kaffee.

Agrarrohstoffe steigen kräftig

Nicht verwunderlich ist daher, dass auch die Preise für Agrarrohstoffe, die sogenannten Soft Commodities, in diesem Jahr kräftig zugelegt haben. Orangensaftkonzentrat um mehr als 90 Prozent, Kaffee um rund 30 Prozent oder Tee um gut 83 Prozent. Pünktlich zu Weihnachten, dem Fest der Schokoladennikoläuse, stieg der Kakaopreis sogar auf den höchsten Stand seit 30 Jahren. Rund 2 350 britische Pfund (umgerechnet 2 700 Euro) mussten zeitweise für eine Tonne bezahlt werden. Der Bundesverband der Süßwarenindustrie warnte angesichts der starken Schwankungen bereits vor der "Schokolade zum Tagespreis". Und obwohl die Preise für Soja und Weizen zuletzt gesunken sind: Der Superzyklus lebt.

Christian Panster
Christian Panster
Handelsblatt Online / Ressortleiter Finanzen

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