Preise klettern zum Ferienbeginn
Benzin: normal, Preise: super

ADAC und auch Experten aus der Mineralölwirtschaft rechnen nicht damit, dass die Kraftstoffpreise bald wieder nachgeben. Die großen Spieler auf dem deutschen Tankstellenmarkt wie Shell, die zu BP gehörende Aral, Total oder die Exxon-Mobil-Tochter Esso geben zwar aus Angst vor dem Bundeskartellamt keine Preisprognosen mehr ab, aber hinter vorgehaltener Hand heißt es in der Branche: „Auf dem Mineralölmarkt ist keine Entspannung in Sicht.“

DÜSSELDORF. Dabei gibt es durchaus genug Rohöl im Angebot, wie Rainer Wiek vom Energie Informationsdienst (EID) feststellt. Zahlen aus der Studie „Oeldorado 2005“ von Exxon-Mobil belegen dies: Die weltweite Ölindustrie ist im vergangenen Jahr kräftig gewachsen und erhöhte die Ölförderung um 3,3 Prozent. Raffineriekapazitäten wuchsen um 0,4 Prozent und der Ölverbrauch um 3,2 Prozent. Das Plus bei den Raffinerien reicht aber bei weitem nicht aus. Wie schon in den vergangenen Monaten fehlt es weiter vor allem in den USA an Anlagen, die Rohöl verfeinern können, und bei steigender Nachfrage treibt das den Benzinpreis.

Für die Mineralölkonzerne in Europa führt dies zu einer zwiespältigen Situation: Einerseits können sie sich wegen des Exportsogs in die USA über anhaltend hohe Margen im Raffineriegeschäft freuen – obwohl es auf dem Kontinent eigentlich Überkapazitäten gibt. Andererseits leiden sie am Tankstellengeschäft. „Das erste Quartal war in verschiedenen Schattierungen rot“, heißt es bei einem der großen Konzerne. Bundesweit hat der Absatz von Benzin und Diesel im gleichen Zeitraum gar um vier Prozent nachgelassen.

Im Geschäft an der Zapfsäule zählt eine Bruttomarge von sechs Cent pro verkauften Liter Benzin als die Grenze zur Profitabilität: Laut EID kratzten die Tankstellenunternehmer zum ersten Mal im April an der Marke. Nach drei viel versprechenden Wochen im Mai folgte dann aber wieder die Ernüchterung.

Der für den europäischen Markt maßgebliche Rotterdamer Preis für eine Tonne Normalbenzin hatte am 1. Juni schon bei 499 Dollar gelegen, am 20. des Monats kletterte er bereits auf 547 Dollar. Zur gleichen Zeit gab auch der Euro gegenüber dem Dollar nach, so dass sich die Preissteigerungen auf dem in der US-Währung handelnden Mineralölmarkt ohne den Wechselkurspuffer auch stärker an den Zapfsäulen bemerkbar machten. Dennoch: Die Branche hat es nach eigenem Bekunden noch nicht geschafft, den Preissprung bei den fertigen Kraftstoffprodukten ab Raffinerie an die Kunden weiterzugeben.

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