Preise sollen weiter fallen
Kupferpreis stabilisiert sich

Zwischen Rohstoff-Analysten und Top-Managern der Bergbaubranche ist ein Streit über Intensität und Dauer des Preisaufschwungs am Markt für Buntmetalle ausgebrochen. Dies macht sich derzeit vor allem am Kupfermarkt bemerkbar, wo die unterschiedlichen Meinungen über die künftige Preisentwicklung hart aufeinander prallen. Denn nach einem exorbitanten Preisanstieg von weniger als 60 US-Cent auf zeitweise rund vier Dollar je Pfund (lb) ist der Kupferpreis zuletzt wieder auf rund 3,25 Dollar zurückgefallen.

FRANKFURT. Einig sind sich Analysten und die Fachleute der Kupferbranche darin, dass der Preis des roten Metalls mittelfristig weiter zurückfallen wird. Dissens herrscht allerdings in der Frage des Ausmaßes der Korrektur. Im Gegensatz zu den anhaltend optimistischen Managern der Metallbranche erwarten Finanzexperten eine starke Preiskorrektur und eine Rückkehr des Kupferpreises zu den langjährigen Durchschnittswerten, die bei rund 1,50 Dollar liegen. So sieht Wiktor Bielski von Morgan Stanley die Kupfernotierung auf eben jener Marke, doch noch vor kurzem lag seine langfristige Prognose bei 1,25 Dollar. Die jetzt nach oben revidierte Preisschätzung stößt bei den Brancheninsidern auf Unverständnis. Sie rechnen damit, dass das wichtigste Buntmetall noch über viele Jahre hinweg über der Marke von 2,50 Dollar je Pfund verharren wird.

„Analysten von Banken legen bei ihren Prognosen über die Rohstoffmärkte nicht selten fragwürdige und vom Geschehen an den Finanzmärkten abgeleitete Bestimmungsfaktoren zu Grunde“, sagt Thomas Utter, Vorstandschef des kanadischen Minenunternehmens Zaruma Resources. An den Rohstoffmärkten würden jedoch andere Einflussfaktoren wirken als bei Aktien und Anleihen, sagt Utter, der sowohl Professor an der Universität in Darmstadt als auch einer der wenigen Deutschen ist, die im internationalen Rohstoffgeschäft tätig sind. Utter kennt daher nicht nur die Theorie der Rohstoffmärkte, sondern kann auch aus seinen praktischen Erfahrungen bei Zaruma schöpfen.

„In den nächsten Jahren werden nur wenige neue Minen eröffnet“, führt John McConnell, Präsident und Vorstandsvorsitzender der kanadischen Western Keltic Mines, ein weiteres Argument für stabile Preise an. Das führe auf Jahre hinaus zu einer angespannten Versorgungslage am internationalen Kupfermarkt.

Schützenhilfe bekommt der Manager von einzelnen Analysten, die nicht alle negativ für den Kupferpreis gestimmt sind. Für Jim Lennon von Macquarie Research steht zum Beispiel fest, dass die Kupfernachfrage aus China zuletzt höher war, als dies offizielle Zahlen andeuten. Unter Berücksichtigung des Abbaus von Kupferbeständen sei die Nachfrage der dortigen Industrie nach raffiniertem Kupfer von Januar bis August um fünf Prozent gestiegen, haben die Experten errechnet. „Wir glauben, dass die chinesische Kupfernachfrage über die nächsten Jahre hinweg das Potenzial für positive Überraschungen hat“, sagt Lennon. Auch für die Analysten der Schweizer UBS ist die künftige Nachfrage Chinas und anderer bevölkerungsreicher Länder der entscheidende Faktor für die Kupferpreise. UBS-Experte John Reade und seine Kollegen haben soeben die Kupferprognose für das Jahr 2006 und 2007 deutlich um zehn beziehungsweise über 20 Prozent nach oben gesetzt. Für das laufende Jahr erwarten sie wegen des absehbar knapperen Angebots und der steigenden Nachfrage durchschnittlich 3,06 Dollar je Pfund und für 2007 schließlich 3,25 Dollar.

Die seit gut vier Jahren anhaltende Rohstoff-Hausse werde gerne als Teil eines Mega-Zyklus gesehen, der wenn es nach historischen Erfahrungen geht im Schnitt 18 Jahre Bestand haben könnte, sagt Thomas Utter.

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