Preise steigen
Afrikas Diamanten locken

Ein Diamant ist unvergänglich – dieser Werbeslogan des südafrikanischen Edelsteinförderers De Beers bleibt aktuell: Das Angebot ist knapp, die Preise entsprechend hoch. Die Suche nach neuen Vorkommen treibt Fachleute mittlerweile quer über den afrikanischen Kontinent und manchmal sogar bis auf den Meeresboden.

KAPSTADT. Die Meldung ging vor kurzem wie ein Lauffeuer um die Welt: In Südafrika, so hieß es, sei der größte Rohdiamant der Welt entdeckt worden. Nach Angaben der Minenbetreiber soll der grünlich gefärbte Stein ein Gewicht von sagenhaften 7 000 Karat haben – mehr als doppelt so viel wie die bisherige Nummer eins. Dabei handelt es sich um den 1905 ebenfalls in Südafrika gefundenen Cullinan-Diamanten, der später in mehrere Teile zerlegt wurde und heute zu den britischen Kronjuwelen zählt.

Die meisten Experten bewerten den neuen Fund jedoch äußerst skeptisch. Obwohl der angeblich 1,5 Kilogramm schwere Stein die typische Form eines Rohdiamanten hat, gibt es bislang nur ein Handy-Foto von ihm. Die meisten Diamantenkenner glauben, dass sich ein paar in der Region tätige Glücksritter einen Scherz gemacht haben, womöglich um die Landpreise in die Höhe zu treiben.

Denn bislang ist der Diamant noch nicht verifiziert worden. Ernst Blom, der Präsident der World Federation of Diamond Bourses, wartet noch immer auf die Erlaubnis, den Stein genauer zu prüfen. Sollte er sich als echt erweisen, wäre er Blom zufolge „der heilige Gral“ unter den Diamanten. Zuverlässiger erscheinen Meldungen, dass in der Letseng-Mine ein weiterer großer Diamant gefunden wurde. Der Stein hat 494 Karat und liegt damit in der Rangliste der weltgrößten Diamanten auf Platz 18.

Die Branche kann ein paar tausend Extrakarat gut gebrauchen. Schließlich ist die Nachfrage nach den edlen Steinen so hoch wie seit langem nicht mehr. Nach Angaben des Marktführers De Beers sind die Diamantenverkäufe im letzten Jahr um mehr als fünf Prozent gestiegen. Auch die weiteren Aussichten bewertet der Konzern als „äußerst viel versprechend“ – trotz einiger Unwägbarkeiten wie der Krise am US-Immobilienmarkt, diese könnte auf das Konsumverhalten durchschlagen. Die USA sind mit fast 50 Prozent noch immer mit Abstand größter Abnehmer von Diamantschmuck. Das größte Defizit herrscht bei den hochkarätigeren Steinen; dies ist auch das Segment des Marktes, wo am meisten Potenzial besteht, weil gerade die größeren Steine immer seltener werden.

Positiv wirkt sich auf den Preis der Steine aber vor allem aus, dass das Angebot an Rohdiamanten seit längerem stagniert. Diamanten werden unter den Rohstoffen deshalb auch besonders gute Aussichten bescheinigt. Die meisten Experten glauben, dass die Lücke zwischen Angebot und Nachfrage – gerade bei den größeren Diamanten – größer als in fast allen anderen Rohstoffsparten ist. Das Ungleichgewicht ist vor allem auf die immer schwierigere Exploration und die damit verbundenen Zusatzkosten zurückzuführen. Vor allem Kanada, das in den Neunzigerjahren als große Hoffnung der Branche galt, hat sich insgesamt als Enttäuschung erwiesen. Seit der Eröffnung der Diavik-Mine vor vier Jahren stagniert dort die Produktion. Dabei haben die Diamantenförderer über zwei Milliarden Dollar in die Suche neuer Vorkommen in Kanada gesteckt.

„Die Branche konnte das Geld lange Zeit nirgendwoanders investieren, weshalb es nach Kanada floss“, erklärt Stuart Brown, der neue Finanzdirektor von De Beers. „Wir reduzieren unser Budget dort nun zugunsten von Ländern wie Angola und dem Kongo, die bei der Suche nach neuen Vorkommen jetzt obenan rangieren“. In Afrika gehören zudem Sierra Leone und die Zentralafrikanische Republik zu den neuen Explorationsstätten. Für Afrika spricht auch, dass die Explorationkosten in Afrika nur ein Viertel so hoch wie in Kanada sind.

Die hohe Nachfrage lockt vor allem in London immer neue Explorationsfirmen an den Markt. Eine davon ist GEM Diamonds, das Unternehmen von Clifford Elphick, dem früheren Berater der südafrikanischen Oppenheimer-Familie, der 40 Prozent von De Beers gehören. GEM Diamonds, das bislang nur in der Letseng-Mine in dem kleinen afrikanischen Bergkönigreich Lesotho aktiv Diamanten fördert, hat bereits sechs Monate nach der Notierung in London einen Marktwert von 1,2 Mrd. Dollar. Des Kilalea, ein Diamantenanalyst bei RBC Capital Markets, führt das Ungleichgewicht am Markt ebenfalls auf den Mangel an neuen Diamantenfunden zurück: „Um die potenziell hohe Nachfrage zu decken, müsste bis 2012 jedes Jahr eine neue Mine von der Größe der kanadischen Ekati Mine mit ihren 2,5 Mill. Karat in Betrieb gehen.“ Als besonders problematisch habe sich erwiesen, dass nur ein Prozent der Kimberlitformationen in erloschenen Vulkanen später die Errichtung einer Diamantenmine rechtfertigten.

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