Preise verdreifacht
Kohlebedarf wächst

Seit Herbst 2007 haben sich die Preise für Kraftwerkskohle verdrei- bis vervierfacht - Experten rechnen trotzdem mit einer steigenden Nachfrage. Vor allem die stromhungrigen Länder China und Russland kaufen immer größere Mengen - während die EU den energieträger gezielt benachteiligt.

DÜSSELDORF. Kohle wird immer teurer. Der Preisanstieg hat sich seit Ende März noch einmal beschleunigt und gipfelte Anfang Juli auf dem Rekordniveau von fast 140 Euro je Tonne. Experten rechnen trotz der Verteuerung mit einer starken Nachfrage.

Kohle sei auch 2007 mit einem Verbrauchsanstieg von 4,5 Prozent "der Brennstoff mit den stärksten Wachstumsraten" weltweit gewesen, stellte Christof Rühl, Chefökonom der BP-Gruppe, bei der Präsentation der Studie "BP Statistical Review of World Energy 2008" heraus. Allerdings habe es gegenüber der Steigerungsrate von 5,2 Prozent im Jahr 2006 eine Abschwächung gegeben. Die weltweite Verbrauchsdynamik habe abgenommen, weil China mit einem letztjährigen Zuwachs von 7,9 Prozent "seine niedrigste Wachstumsrate in Prozent und Volumen seit 2002" verzeichnet habe, so Rühl. 41 Prozent des globalen Verbrauchs und der weltweiten Produktion von Kohle entfallen auf China.

Doch nur 15 Prozent des Weltkohleverbrauchs werden laut Rühl international gehandelt. Laut "Jahresbericht 2008" des Vereins der Kohlenimporteure (VDKI), Hamburg, wuchs der Steinkohlenweltmarkt 2007 mit 5,6 Prozent auf 906 Mill. Tonnen erneut stärker als der gesamte Weltverbrauch. Die nun sieben Jahre andauernde Expansionsphase des Weltkohlehandels habe "zu einer extrem hohen Auslastung der exportorientierten Kapazitäten" geführt, so der VDKI. Doch Transportwesen und Infrastruktur hätten mit der Handelsdynamik der letzten Jahre nicht Schritt halten können, diagnostiziert Rühl. Sein Resümee: "2007 traten weltweit Infrastruktur-Engpässe zutage, die durch schlechte Witterungsbedingungen noch verschärft wurden. Die Exporte litten unter mangelnden Transportmöglichkeiten und Bergwerksschließungen in Indonesien, Australien und Südafrika. Die Folge war, dass die Preise für Exportkohle höher waren als die Binnenmarktpreise und die Transport- und Frachtkosten Rekordniveaus erreichten."

Seit Herbst 2007 haben sich die Preise für Kraftwerkskohle frei Verladehafen auf dem Weltmarkt verdrei- bis vervierfacht, sagte Erich Schmitz, Verbandspräsident, anlässlich der VDKI-Jahrestagung in Düsseldorf. Die Preisabschlüsse für Kokskohle kletterten unter Berücksichtigung hoher Frachtraten sogar auf 380 bis 390 Dollar frei Antwerpen, Rotterdam, Amsterdam (ARA). Die globalen Kohlenreserven haben derzeit eine statische Reichweite von 130 bis 140 Jahren bei einer Weltförderung von 5,6 Mrd. Tonnen (Basis 2007). Schmitz zeigte sich daher optimistisch: Die günstigen Perspektiven der Kohle basierten auf einem geopolitisch gut strukturierten Angebot, einer kontinuierlichen Ausweitung der Lieferquellen, nach wie vor wettbewerbsfähigen Preisen gegenüber den Substitutionsenergien schweres Heizöl und Heizöl, einem günstigen Potenzial zum Abbau von CO2-Emissionen und einem geringen Gefahrenpotenzial bei Transport und Lagerung.

Es kann daher nicht überraschen, dass der Kohle eine große Wachstumsdynamik weiterhin zugetraut wird. Nach der Hochrechnung der Energy Information Administration des US-Departments of Energy in Washington von Ende Juni könnte der Weltkohleverbrauch von 4,4 Mrd. Tonnen Steinkohleneinheiten (SKE) im Jahr 2005 um fast zwei Drittel auf 7,3 Mrd. Tonnen SKE im Jahr 2030 wachsen.

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