Preiskorrektur erwartet
China kurbelt Metallverbrauch an

Der chinesische Nachfrageboom nach Metall kompensiert den gesunkenen Bedarf in den USA. Das Reich der Mitte benötigt inzwischen doppelt so viel von dem Rohstoff wie die Amerikaner. Experten warnen vor einer Korrektur: Die Nachfragesteigerungen von bis zu 65 Prozent sind schwer zu halten.

LONDON. Der Boom bei den Metallen schien im vergangenen Herbst nach fünfjähriger Dauer so gut wie beendet. Sorgen über den weiteren Verlauf der US-Wirtschaft ließen die kurz zuvor erreichten Rekordstände bei vielen Preisen, allen voran bei Kupfer, förmlich purzeln. Jetzt beginnen die Analysten damit, ihr Weltbild zu korrigieren.

Denn inzwischen ist zwar das US-Wirtschaftswachstum tatsächlich in den Sinkflug übergegangen – die in der Regel konjunkturempfindlichen Preise für die Industriemetalle allerdings nicht. Kupfer legte seit seinem Tiefpunkt im Februar dieses Jahres sogar um 40 Prozent zu. Der Sammelindex der Londoner Metallbörse, LME, stieg seit dem 9. Januar um fast ein Drittel.

„Wir waren in der Einschätzung der Märkte bisher wohl zu US-zentrisch und haben die Auswirkungen der USA auf die Märkte überschätzt“, versucht Daniel Brebner von UBS die überraschende Entwicklung zu erklären. Suki Cooper von Barclays Capital formuliert es noch prägnanter: „Sicherlich, die USA und eine Reihe von anderen Faktoren sind von Bedeutung, der wahre Gorilla im Raum ist jedoch China. Die Kraft des dortigen Wachstums lässt uns auf weitere Preissteigerungen in dem Sektor setzen.“ Jim Lennon von Macquarie Research in London quantifiziert das Gewicht des Gorillas: „Chinas Anteil an der Weltnachfrage nach den Metallen ist inzwischen etwa doppelt so hoch wie der der USA.“ Ein Nachfrageeinbruch bei der führenden westlichen Wirtschaftsmacht habe damit nicht mehr dieselben Folgen wie in früheren Jahren.

Dennoch warnt Lennon vor übertriebenen Erwartungen an den neuen Wirtschaftsriesen im Fernen Osten: Die Nachfragesteigerungen dort von derzeit 30 Prozent bei Kupfer binnen Jahresfrist, 54 Prozent bei Aluminium und gar 65 Prozent bei Nickel seien in dieser Höhe nicht zu halten. Eine geringfügige Abschwächung bei erneut wachsenden Vorräten – insbesondere bei Kupfer und Aluminium – „könnte den Preisen dieser Metalle schon bald die Spitze nehmen“. Doch Pessimismus über die Stärke des Chinafaktors sei nach wie vor fehl am Platze. Bei Zink beispielsweise würde die Drosselung der Exporte zu einem Preisanstieg beitragen. Und auch bei Blei sieht der Analyst sogar noch ein gewisses Aufwärtspotenzial.

Daniel Brebner von UBS fällt auf, dass einige Produzentenländer damit begonnen haben, die Exporte knapp werdender Rohstoffe zu erschweren, sofern diese für die heimische Bedarfsdeckung gebraucht würden. So habe China seit vergangenem Dezember die Ausfuhren von Kupfer, Aluminium, Molybdänlegierungen Öl und Kohle mit Abgaben belegt. Indien erschwere neuerdings die Exporte von Eisenerz. Parallel dazu sei Indonesien auf dem besten Wege, seine Ausfuhren von Tonerde und Nickelerzen strikter zu regulieren. „Wir haben aus diesen Gründen unsere Markteinschätzungen bei diesen Rohstoffen bereits substanziell revidiert“, sagt Brebner. Auch andere Rohstoffproduzenten würden diesem Beispiel folgen.

Eine eher nüchterne, wenn auch kurzfristigere Einschätzung der Marktlage liefern indessen die Experten von Goldman Sachs. Für sie stehen die meisten Metallpreise aus dem Nicht-Edelmetall-Sektor kurz vor einer Korrektur. Bei Kupfer werde sich diese freilich „wegen einer anhaltenden Knappheitsprämie in Grenzen halten“, der Preis binnen Jahresfrist kaum die 7 500 Dollarmarke je Tonne unterschreiten.

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