Preismacht
Risiken bei Erdgas wachsen

Auch wenn die Nachfrage nach Erdgas boomt, die Gefahren beim Geschäft mit dem Brennstoff nehmen zu. Die steigende Nachfrage spielt Staatskonzernen in die Hände. Diese Unternehmen diktieren das Geschehen auf dem Weltmarkt - und damit auch die Preise.

DÜSSELDORF. Nachfrage und Bedarf an Erdgas boomen ungebrochen. Der CO2-arme Brennstoff profitiert nicht zuletzt von dem Trend zur Klimaschutzvorsorge und - damit verbunden - von der Begrenzung der Kohlendioxid-Emissionen. Insbesondere die Akzeptanzprobleme für Kohlekraftwerke und Kernkraftanlagen machen Erdgasanlagen für die Stromerzeuger attraktiver. Gleichzeitig wächst aber die Marktmacht staatlich kontrollierter Gasproduzenten, die im internationalen Geschäft dominieren.

"Die Preisrisiken nehmen in der Gasversorgung zu; die Verkäufer sitzen am längeren Hebel; Kartellierungstendenzen wie schon im Ölgeschäft mit der Opec sind nicht auszuschließen." So fasste der Kölner Energieprofessor Dieter Schmitt die absehbaren Entwicklungstrends gegenüber dem Handelsblatt zusammen. Durch die von der EU-Kommission gewünschte Entflechtung vertikal integrierter Gasversorger werde die Verhandlungsmacht europäischer Abnehmer gegenüber staatlich kontrollierten Erdgasproduzenten aus Russland, Norwegen, Algerien oder Libyen geschwächt. Auch die mit beträchtlichen Vorlaufinvestitionen verbundenen Projekte mit Anbietern aus dem Kaukasus und Iran könnten nur gestemmt werden, wenn die westeuropäischen Abnehmer über einigermaßen kalkulierbare Absatzkanäle verfügten.

Schmitt fürchtet im internationalen Gashandel eine Verschiebung der Machtverhältnisse zu Lasten der Abnehmer. Grund dafür sei die Abgabe von Transportnetzen im Zuge der Brüsseler Entflechtungsstrategien. Auch eine teilweise Aufgabe der Beteiligungen an Stadtwerken durch die führenden deutschen Energiekonzerne, so die Forderungen des Bundeskartellamtes, würde die Marktmacht der Konzerne schwächen und damit die Produzentenseite stärken.

Das weltweite Gasgeschäft ist mit vielen Unvollkommenheiten behaftet und durch oligopolistische Strukturen gekennzeichnet. Die Versorgungsinfrastruktur erfordert milliardenhohe Vorlaufinvestitionen und Vertragsabschlüsse für viele Jahrzehnte. Die Bindungen zwischen Produzenten und Abnehmern sind langfristiger Natur. Der Aufschluss neuer Gasförderkapazitäten und der Ausbau einer immer transportintensiveren Infrastruktur setzen voraus, dass stabile Beziehungen mit für alle Seiten fairen Preisen entwickelt werden können.

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