Preisrally
Chinas Rohstofflager sind gefüllt

China hat seine zeitweise stark gesunkenen Lagerbestände frühzeitig und massiv aufgestockt - und damit für eine rasante Rally bei Nickel, Zink und Kupfer gesorgt. Doch nun wächst die Gefahr von Preiskorrekturen, wenn sich die Erholung der Weltwirtschaft nicht als nachhaltig erweist.
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DÜSSELDORF. Vor einem Jahr schien das Interesse an der Anlageklasse Rohstoffe für lange Zeit abgeebbt. Die Preise für viele Industriemetalle wie Kupfer, Nickel oder Zink fielen deutlich, nachdem sie im Mai 2008 noch Höchststände erklommen hatten - und die Aussicht auf eine rasche Erholung der Weltwirtschaft war schlecht.

Umso paradoxer wirkt es, dass die gleichen Rohstofffonds, die mit massiven Verlusten zu den großen Verlierern des letzten Jahres zählten, inzwischen wieder in der Gunst vieler Investoren stehen. Ein wesentlicher Grund für dieses Comeback ist, dass China seine zeitweise stark gesunkenen Lagerbestände frühzeitig und massiv aufgestockt hat, was die Preise vieler Industriemetalle in den verganenen Monaten nach oben getrieben hat: Nickel hat seit seinem Tiefstand Ende letzten Jahres fast 200 Prozent gewonnen, Zink 176 Prozent und Kupfer 110 Prozent. Lediglich Aluminium konnte seit seinem Tiefstand nur knapp 40 Prozent zulegen.

Zudem haben die Minengesellschaften umgehend auf den massiven Rückgang der globalen Nachfrage reagiert und ihre Kapazitäten stark gekürzt. Das hat den Markt in ein gewisses Gleichgewicht gebracht und vor allem bei professionellen Anlegern neues Interesse an Rohstofffonds geweckt.

Mit dem kräftigen Anstieg der Preise hat aber auch die Gefahr zugenommen, dass es schon bald zu stärkeren Korrekturen kommen wird, insbesondere dann, wenn sich die Erholung der Weltwirtschaft nicht als nachhaltig erweist. "Viele Grundmetalle nehmen viele positive Erwartungen vorweg" glaubt etwa Walter Schneider, Geschäftsführer von LaSalle Brokerage. Dies führe oft zu größeren, antizyklischen Preisbewegungen, warnt Schneider, der auch gegenüber Gold skeptisch bleibt. In der Tat scheint China seine Lager derart stark mit Industriemetallen aufgefüllt zu haben, dass es kaum größere Vorräte braucht, wenn Neuverhandlungen über die langfristigen Preise beginnen. Dies deutet darauf hin, dass der zyklisch bedingte Aufschwung bei vielen Industriemetallen nun erst einmal für einige Zeit vorbei sein dürfte.

Wolfgang Drechsler
Wolfgang Drechsler
Handelsblatt / Korrespondent

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