Preisrutsch
Kupfer verliert an Glanz

Kupfer beginnt für Spekulanten zunehmend interessanter zu werden – allerdings vor allem für diejenigen, die auf einen weiter sinkenden Preis setzen. Seit Mai ist der Preis um ein Fünftel gefallen – und der Ersatz durch Aluminium nimmt zu.

LONDON. In New York haben diese Baissespekulanten die per saldo größte Minus-Position seit Mai 2003 aufgebaut. Die Marktentwicklung scheint ihnen Recht zu geben. Denn seit Mai dieses Jahres sind die Kupfernotierungen von dem Rekordstand bei 8 750 Dollar inzwischen auf unter 7 000 Dollar je Tonne gefallen. Der Preisrutsch hatte sich Anfang November noch einmal beschleunigt.

Für Jon Bergtheil von JP Morgan war der Preisverfall bei dem Metall überfällig. „Hinter dem jetzigen Stimmungswandel steht schließlich eine 35-prozentige Zunahme der Vorräte in den Lagerhäusern der Londoner Metallbörse (LME) seit Anfang November.“ Das sei möglicherweise der Beginn einer Überversorgung.

Die gegenwärtigen Vorräte sind aber selbst mit etwa 150 000 Tonnen noch knapp bemessen, halten andere Experten dagegen. Sie glauben an eine baldige Befestigung des Preises, wenn auch auf niedrigerem Niveau. Die Produktion bei Kupfer bleibe schließlich schon seit vier Jahren hinter dem Verbrauch einer boomenden Weltwirtschaft zurück – teils wegen verschleppter Investitionen in neue Kapazitäten, teils wegen Streiks und Produktionsausfällen aus technischen Gründen. Auch auf die Eintrübung des Häusermarkts in den USA, dem weltweit zweitgrößten Konsumenten von Kupfer, Aluminium und Zink, hätten die Preise reagiert. Die Citigroup erwartet jedoch, dass sich der US-Häusermarkt im nächsten Jahr wieder erholen wird. Der Kupfermarkt werde dann nur noch einen „leichten Überschuss“ aufweisen, und bis zum Jahr 2010 werde Kupfer erneut knapp sein.

Allerdings schrumpft die Nachfrage auch aus anderen Gründen. Denn angesichts des immer noch hohen Preises suchen die Verbraucher nach Ersatzstoffen. Laut Robin Bhar von der UBS betrifft die Substitution des roten Metalls besonders Aluminium. Das sei das „führende Gesprächsthema“ während seiner jüngsten Reise nach China gewesen. Alles deute dort auf einen zumindest vorläufig weiter fallenden Kupferpreis hin. Ein chinesischer Händler habe den Nachfrageausfall bei Kupfer wegen des Ersatzes durch Aluminium auf etwa 350 000 Tonnen im Jahr beziffert. So werde Kupfer zunehmend in Haushaltsgeräten, Elektroleitungen mit niedriger Spannung und Klimaanlagen durch Aluminium ersetzt. „Selbst wenn dieser Wert zu hoch gegriffen ist“, so Bhar, „scheint die Kupferverbrauchsrate im Verhältnis zum Wirtschaftswachstum Chinas zurückzufallen“.

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