Preistrend
Rohöl hält sich auf hohem Niveau

Die Lage an den Rohölmärkten wird 2008 angespannt bleiben. Experten erwarten zwar in den ersten Monaten des neuen Jahres wegen der Sorgen um eine Verlangsamung des Weltwirtschaftswachstums sinkende Preise, doch werde der Trend schnell wieder drehen.

DÜSSELDORF. Im abgelaufenen Jahr hatten sich die Rohölpreise mit zeitweise fast 100 Dollar je Barrel (159 Liter) praktisch verdoppelt. Diese psychologisch wichtige Marke könnte 2008 erneut erreicht werden. „Preisspitzen oberhalb der 100-Dollar-Marke sind möglich, wenn die Nachfrage unerwartet anzieht oder Ängste vor Förderunterbrechungen den Preis treiben“, sagt Stephen Thomber, Energieexperte der Investmentfirma Threadneedle. „100 Dollar könnten im Sommer wieder ein Thema werden“, erwartet Eugen Weinberg, Rohstoffstratege der Commerzbank. Doch werde die Marke nicht nachhaltig überschritten.

Im Jahresdurchschnitt prognostizieren die meisten Experten Preise von 75 Dollar für das europäische Brentöl und bis zu 77,50 Dollar für die US-Richtmarke WTI. Besonders skeptisch sind die US-Häuser Lehman Brothers und Goldman Sachs. Lehman rechnet mit einem Durchschnittspreis von 84 Dollar; Goldman erwartet zwar einen Preisrückgang zu Jahresbeginn, doch schon Mitte 2008 soll WTI 81 Dollar und Ende des Jahres sogar 105 Dollar erreichen. Zur Begründung verweisen die Experten unter anderem auf die rückläufigen Lagerbestände in den OECD-Ländern.

Nach einem kurzfristigen Rückgang auf „ein fundamental gerechtfertigtes Niveau von etwa 75 Dollar“ rechnet Gabriele Widmann von der Deka-Bank mit sukzessive anziehenden Preisen. „Denn die Nachfrage wird schneller als das Angebot steigen.“ Der immense Bedarf der Schwellenländer hat in nahezu allen Rohstoffbereichen die Preise in den vergangenen Jahren kräftig steigen lassen. China habe zudem schon angekündigt, die strategischen Reserven aufbauen zu wollen. Voraussetzung für weiter steigende Ölpreise sei, dass die Weltwirtschaft auch in den nächsten zwei Jahren kräftig wächst, wovon die Deka-Bank ausgeht.

In diesen Wachstumserwartungen liegt allerdings auch das größte Risiko für den Ölpreis. Die Sorgen über eine starke Abschwächung der Konjunktur haben den Preisanstieg bereits vor dem Jahreswechsel gebremst. Christian Heger, Chefstratege bei HSBC Investments Deutschland, glaubt, dass in den USA „eine merkliche Abkühlung mit Wachstumsraten zwischen ein bis zwei Prozent“ droht. Eine starke Verlangsamung des Weltwirtschaftswachstums oder wenn die USA in eine Rezession abrutschen sollten und andere Länder mitziehen, „könnte dies den Preis unter 70 Dollar, vielleicht sogar unter 65 Dollar drücken“, sagt Widmann.

„Das Risiko ist aber wohl nach oben gerichtet“, sagt Threadneedle-Experte Thomber. „Der weltweite Unterschied zwischen Nachfrage und Angebot ist sehr gering und wird es auch bleiben.“ Zusammen mit der geringen zusätzlichen Produktionskapazität wären Konsumenten und Händler daher bereit, höhere Preise zu zahlen. Damit wird auch im neuen Jahr der bange Blick der Marktteilnehmer der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) gelten. Nach Einschätzung des Commerzbank-Experten Weinberg hat das Ölkartell erstmals seit langer Zeit höhere freie Kapazitäten, könnte also im Bedarfsfall die Förderung erhöhen.

Damit komme erneut die Frage auf, ob sich die Kartellmitglieder an die selbst auferlegten Förderquoten halten werden. Die neuen Mitglieder Angola und Ecuador seien noch nicht daran gebunden. Im Februar wird das Ölkartell über eine mögliche Ausweitung oder Verringerung der Förderung entscheiden.

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