Preisverfall
Geheime Goldpolitik

Gold ist der einzig sichere Hafen außerhalb des Finanzsystems. Um diesen für Anleger unattraktiv zu machen, könnte der jüngste Goldpreiseinbruch bewusst herbeigeführt worden sein. Ein Kommentar.
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DüsseldorfMan muss nicht zu den für Verschwörungstheorien anfälligen Zeitgenossen gehören, um zu erkennen, dass ein steigender Goldpreis im aktuellen Umfeld nachlassendes Vertrauen in die großen Reservewährungen und in die Sicherheit von Bankeinlagen dokumentierte – und dass weder Regierungen noch Zentral- und Geschäftsbanken daran ein Interesse haben. Ein schockartiger Goldpreiseinbruch wie zuletzt signalisiert vielleicht nicht unbedingt eine heile Finanzwelt, er verbreitete bei Anlegern und Sparern aber Verunsicherung und wirft bei ihnen die Frage auf, ob Gold tatsächlich taugt als sicherer Hafen außerhalb des fragilen Finanzsystems.

Am Wochenende vereinbarten die EU-Finanzminister in Dublin Spareinlagen von über 100.000 Euro im Falle einer Bankpleite mit in die Haftung zu nehmen. Da dieser Beschlusses das Vertrauen der Bürger in die Sicherheit von Bankeinlagen aushöhlt, hat sich so manch besorgter Sparer Gedanken gemacht, ob er nicht vorsichtshalber einen Teil seiner – zumal nahezu unverzinsten – Risiko-Spareinlage von der Bank holen soll und es besser in zinsloses, aber pleiteungefährdetes physisches Gold zu packen – als eiserne Liquiditätsreserve außerhalb des Finanzsystems.

Doch ausgerechnet am Freitag, also unmittelbar vor dem Treffen der Finanzminister der europäischen Enteignungs-Union, haben gewaltige Verkaufsorder den Goldpreis an der New Yorker Terminbörse Comex in die Knie gezwungen. Direkt zum Handelsstart drückten Verkaufskontrakte über insgesamt 100 Tonnen Gold den Goldpreis an die technische Unterstützung bei 1540 Dollar je Feinunze. Die an dieser Marke zahlreich platzierten Stoppkurse wurden dann etwa zwei Stunden später ausgelöst durch eine zweite virtuelle Verkaufswelle über 300 Tonnen Gold im rechnerischen Gegenwert von 15 Milliarden Dollar.

Um an der Comex diese Goldmenge virtuell zu bewegen, genügen bereits 750 Millionen Dollar, die als Sicherheit hinterlegt werden müssen. Das schaffte jede Investmentbank problemlos, allen voran Goldman Sachs. Deren Analysten hatten schon vor Monaten begonnen, das Ende der Goldhausse öffentlichkeitswirksam vorauszusagen. Zuletzt riet die Bank ihren Kunden, auf fallende Preise zu spekulieren. Mit Erfolg, wie sich zeigt. Insgesamt wurden am Freitag in New York 368.000 Futures-Kontrakte gehandelt, fast doppelt soviel wie im bisherigen Jahresdurchschnitt. Auf dem Papier wechselten 1140 Tonnen Gold den Besitzer. Für Verunsicherung war gesorgt, der Abverkauf setze sich am Montag weiter fort bis runter auf 1340 Dollar.

Kommentare zu " Preisverfall: Geheime Goldpolitik"

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  • @germac: Ihr Zitat ist falsch. JP Morgan sagte nicht "gold is money, everythig else is credit" sodern "money is gold, and othing else". Das macht einen Unterschied. Nachzulesen in der Orginalquelle unter
    http://memory.loc.gov/service/gdc/scd0001/2006/20060517001te/20060517001te.pdf
    Nicht blind auf Google vertrauen, sondern erst informieren, danach nachdenken und erst dann schreiben.

  • "Never Fight the FED" kommt mir unglaublich bekannt vor. Gab es da nicht mal eine Banque Générale in France und einen der Hybris verfallen John Law der es einfach nicht glauben konnte, das die Gunst der Anleger auch sehr schnell änderen kann, wenn sie ihren Glauben verlieren.

    In diesem Sinne - 骄兵必败。

  • Sie Halbstarker,

    wissen Sie was in Investmentkreisen in der ganzen Welt immer noch zählt.

    NEVER FIGHT THE FED

    Nur Kretins befassen sich mit Aufgabe,
    die FED zu killen und ein paar Goldbugs natürlich.

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