Preisverfall
Goldpreis stürzt unter 1.500 Dollar

Der Preis der Feinunze Gold ist am Nachmittag deutlich abgesackt. Im Tagesverlauf gab das Edelmetall um zwischenzeitlich fast vier Prozent nach. Mögliche Goldverkäufe durch ein Euro-Land könnten ein Grund sein.
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DüsseldorfDer Goldpreis ist am Freitagnachmittag heftig unter Druck geraten. Leichte Verluste im Tagesverlauf verstärkten sich nach 16.15 Uhr abrupt und das Edelmetall notierte fast vier Prozent unter dem Vortageswert. Kurzzeitig sackte der Preis einer Feinunze sogar auf unter 1500 Dollar (Tageseröffnung: 1560 Dollar).

Damit sank der Wert des Edelmetalls erstmals seit Juli 2011 unter die runde Marke. Händler machten dafür mehrere Gründe aus. „Grund ist die Erholung der US-Währung“, sagte Andrey Kryuchenkov von VTB Capital in London. Der Dollar hatte im Tagesverlauf zunächst gegenüber dem Euro zugelegt. Zum anderen gilt aber auch Druck der Europäischen Zentralbank auf Zypern als Auslöser.

Das Euro-Land steht möglicherweise vor einem Verkauf von Goldreserven. Dessen Notenbank verwaltet laut Angaben des World Gold Council Goldbestände im Umfang von 13,9 Tonnen. Die Entscheidung über Goldverkäufe werde von der Notenbank getroffen, sagte Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank, am Freitag nach dem Treffen der Euro-Finanzminister in Dublin. Es komme indes darauf an, führte Draghi weiter aus, dass eventuelle Erlöse aus dem Goldverkauf zu allererst zur Deckung möglicher Verluste der Notenbank aus ihren ELA genannten Notfall-Liquiditätshilfen für die Geschäftsbanken herangezogen würden.

Zu einem Brief Draghis an Zyperns Präsident Nicos Anastasiades sagte der EZB-Präsident, dass der Brief „sehr, sehr klar“ sei. Die Regierung müsse die Unabhängigkeit der Notenbank bei der Bewirtschaftung der Goldvorräte einhalten, wie es die entsprechenden Regelungen auf europäischer Ebene vorsehen.

Martin Dowideit, Leiter Digitales, Handelsblatt.
Martin Dowideit
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Kommentare zu " Preisverfall: Goldpreis stürzt unter 1.500 Dollar"

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  • Man muss sich immer mal vergegenwärtigen, worin wir den Wert von Gold messen: in ungedecktem Papiergeld. Gold ist aber ein Wert in sich, weil es im Gegensatz zu Papiergeld eben nicht beliebig vermehrt werden kann. Eine Unze Gold ist immer noch eine Unze Gold, nur der Wert unseres Falschgeldes schwankt. Ich sehe keinen Grund, warum Gold als sicherer Hafen ausgedient haben soll. Hat sich irgendetwas daran geändert, dass der Euro auf der Kippe steht? Hat sich irgendetwas daran geändert, dass die Länder im Süden Europas vor dem Bankrott stehen und hat sich irgendetwas daran geändert, dass die Notenbanken Geld ohne Ende drucken? Nein, und genau deshalb wird Gold längerfristig auch wieder zulegen. Der Goldpreis wird mit voller Absicht massiv gedrückt, weil man verhindern will, dass Gold als Alternative zum Papiergeld an Attraktivität gewinnt. Das Finanzkartell und ihr verlängerter Arm, die Politiker, wollen unbedingt verhindern, dass die verunsicherten Sparer ihr Geld vom Sparbuch holen und Gold kaufen; Grund dazu hätten sie nach der offenen Enteignung in Zypern auf alle Fälle. Daher versucht man jetzt massiv, Panik durch die Medien zu schüren (Goldzeitalter am Ende) und Gold als unsicher und unattraktiv darzustellen, um so viele Investoren wie möglich aus ihren Beständen rauszutreiben. Soros und Genossen können dann selbst billig nachkaufen. Ich vermute, die Hütte in Euroland brennt lichterloh und die Eurokraten schrecken in ihrer Verzweiflung vor keiner Manipulation mehr zurück, um das System zu retten. Irgendwann wird man aber die Krise nicht mehr unter Kontrolle halten können, dann werden Gold und Silber explodieren. Wohl dem, der seine Bestände bis dahin nicht hergegeben hat. Nicht ärgern, zukaufen und sich über die Schnäppchenpreise freuen, lautet die Devise!

  • Herrlich, bitte mehr davon, Rechner. Sehr schön trocken.

  • @MJM1605: Rechner will diese Zusammenhänge nicht verstehen. Für Rechner ist mit der Ausweitung der Geldmenge M3 von ca. 2% p.a. seit 2010 die Welt in Ordnung. Das in dem Jahrzehnt davor die jährliche Wachstumsrate von M3 über 8% lag und zu Asset Price Blasen geführt hat, negiert er. Inflation ist für ihn nicht vorhanden. Damit negiert er nicht nur die Vermögensblasen, die wir überall sehen, sondern auch die in den letzten Jahrzehnt erfolgten hedonischen Anpassungen an der Inflationsmessung, die zu einem Ausweis niedrigerer Inflation über das subjektive Merkmal gestiegene Produktqualität führt. Siehe hier:
    www.faz.net/aktuell/wirtschaft/konjunktur/statistik-die-volkswirtschaftliche-gesamtrechnung-wird-auf-neue-beine-gestellt-1232065.html
    www.sueddeutsche.de/geld/inflation-die-usa-schoenen-ihre-daten-1.217992
    http://www.pimco.com/EN/Insights/Pages/IO_Oct_2004.aspx

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