Problem Preisfindung
Zuckermarkt im Umbruch

Auf dem weltweiten Zuckermarkt wird es immer schwieriger, Prognosen zu treffen. Dies stellt die Exporteure vor eine ungewisse Zukunft, denn die etablierten Nationen erhalten nicht nur überraschend Konkurrenz aus Asien, auch die Rolle von Ethanol für den Absatz bleibt weiterhin unklar. Fest steht nur eins – zunächst bleiben die Preise niedrig.

SAO PAULO. Am internationalen Zuckermarkt zeichnen sich tiefgreifende Veränderungen ab. Unter den Zuckerexporteuren wächst daher die Nervosität; künftig müssen sie sich auf stärkere Preisschwankungen bei Zucker einstellen. Denn es wird immer schwieriger, das Angebot und die Nachfrage für Zucker und dessen Nebenprodukte weltweit zu prognostizieren. Zu viele neue preisbeeinflussende Faktoren sind in den letzten Jahren dazugekommen.

„Die Branche ist dabei auszuloten, wie sich künftig die Preise finden werden“, sagte Peter Baron, Präsident des Weltzuckerverbands (ISO) Ende Oktober in Brasilien auf der Datagro, der führenden internationalen Konferenz der Branche über Zucker, Alkohol und Energie. „Derzeit ist das aber noch eine Gleichung mit vielen unbekannten Variablen“, so Baron.

Abzusehen ist, dass die Weltzuckerpreise in den nächsten zwei, drei Jahren niedrig bleiben werden. Der Grund dafür ist Indien: Der zweitgrößte Produzent und Konsument der Welt ist traditionell ein unberechenbarer Akteur in der Branche: „Von einem Jahr zum nächsten kann Indien von einem wichtigen Zuckerimporteur zu einem großen Exporteur werden“, sagt Plínio Nastari, ein führender brasilianischer Zuckerexperte. Zurzeit überschwemmt Indien den asiatischen Markt mit Zucker, denn das Land hat rund zehn Mill. Tonnen Zucker mehr produziert als es verbrauchen kann. Die Überschüsse entsprechen dem Eigenkonsum von neun Monaten.

Der Grund ist eine Subventionspolitik für die 45 Mill. Kleinproduzenten, denen die Regierung Mindestpreise garantiert. Daran wird sich so schnell auch nichts ändern, denn es geht um 200 Millionen Wähler unter den Zuckerbauern, welche die Regierung nicht verprellen will. „Wir haben den Weltmarkt gespalten“, sagte Narendra Murkumbi, vom größten indischen Zuckerproduzenten Shress Renuka Sugars aus Bombay, „Asien produziert wegen Indien erstmals einen Überschuss an Zucker.“ Zudem versorgt sich auch China inzwischen selbst; auf dem Land lagen große Hoffnungen von Exportländern wie Brasilien und Australien.

Der Preissenkungseffekt wegen des asiatischen Überschusses wird aber wohl spätestens in drei Jahren beendet sein. „Auch die staatlich garantierten Mindestpreise in Indien liegen unter den Produktionskosten“, sagte Jonathan Kingsman vom gleichnamigen britischen Zuckerhändler, „die indischen Bauern werden ihren Anbau zurückfahren.“

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