Produktionsdrosselung
Industriemetalle unter Druck

Industriemetalle zählen wegen der zunehmenden Rezessionsängste zu den größten Verlierern im Rohstoffbereich. Bei den Aktien der Bergbaukonzerne war an der Börse in London zuletzt vom „schlimmsten Ausverkauf seit 20 Jahren“ die Rede – viele Produzenten haben ihre Produktionen gedrosselt.

LONDON. Als das konjunktursensibelste Industriemetall gilt Kupfer. An der Londoner Metallbörse, LME, kostete Kupfer (Dreimonatsware) zuletzt mit unter 4 700 Dollar je Tonne so wenig wie seit 34 Monaten nicht mehr. Die meisten Metalle verloren binnen Jahresfrist zwischen 30 bis 50 Prozent. Das Legierungsmetall Nickel, das vor allem die Geschicke der weltweiten Stahlindustrie spiegelt, hat sogar bei den gegenwärtigen Preisen von rund 11 000 Dollar je Tonne zwei Drittel eingebüßt.

Kevin Norrish von Barclays Capital wagt daher zwar noch nicht die nächste „Bodenbildung“ bei den Metallpreisen vorauszusagen. Denn noch nähmen die Bestände der meisten Industriemetalle weiter zu und auch der Bedarfszuwachs Chinas habe an Tempo verloren. Doch früher als in vorangegangenen Zyklen begännen viele Produzenten bereits ihre Produktion zu drosseln, also das Angebot zu verknappen.

Bei Aluminium, dem energieintensivsten Metall in der Herstellung, deckt der aktuelle Preis von gut 2 100 Dollar je Tonne bereits bei 17 Prozent der Welterzeugung nicht mehr die Produktionskosten. Dies hat die Deutsche Bank errechnet. Bei Nickel sieht Tim Dudley, von der Investmentbank Arbuthnot, bei den aktuellen Preisen sogar 60 bis 80 Prozent der weltweiten Produktion „in Gefahr“.

Prominente Beispiele für Produktionsstilllegungen sind der chinesische Bergbaukonzern Chalco, der etwa zehn Prozent seiner Produktion von Tonerde, des Vorprodukts von Aluminium, ruhen lässt. Der kanadische Aluminiumriese Alcoa hat ebenfalls bereits damit begonnen, seine „Produktion den rückläufigen Nachfrageprognosen anzupassen“. Er legte eine Hütte in Texas mit einer Jahresproduktion von über 250 000 Tonnen still.

„Mit den sich mehrenden Anzeichen für eine Rezession werden die Metallpreise zwangsläufig weiter fallen“, warnte Francisco Blanch von Merrill Lynch auf dem Jahreskonvent der Metallhändler und -Produzenten vergangene Woche in London. Wie gebannt starrten diese auf den beschleunigten Verfall des „Baltic-Dry“-Trockenfrachtindex an der dortigen Schifffahrtsbörse. Der Index gilt als Vorbote für die herannahende Wirtschaftsflaute und ist seit Ende September über 50 Prozent abgestürzt.

Unbeirrt hält dennoch eine Minderheit von Analysten an der Meinung fest, dass drastische Produktionskürzungen und aufgeschobene Expansionsvorhaben – zum Teil aus finanziellen Gründen wegen der Kreditkrise – die Metallpreise spätestens 2009 wieder steigen lassen werden. Aluminium Zinn, und Kupfer gelten dafür als die „heißesten Kandidaten“.

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