Produzenten spektisch
Spekulanten entdecken Platin

Die Nachfrage bestimmt den Preis: Die Ankündigung weiterer börsengehandelter Platin-Fonds treibt den Wert des Edelmetalls in die Höhe. Steigende Preise werden aber von manchen Produzenten eher skeptisch betrachtet, denn es drohen Absatzeinbußen.

LONDON/DÜSSELDORF. Der Preis für Platin hat erneut die Hürde von 1 300 Dollar je Feinunze genommen. Noch mehr wert war das Edelmetall zuletzt Ende November, als es mit fast 1 400 Dollar einen Rekordstand erreichte. Experten halten nun bereits einen Preis von 1 500 Dollar für möglich.

Ausgelöst wurde die starke Platin-Nachfrage durch Spekulationen über weitere börsengehandelte Platin-Fonds, so genannte ETFs, Exchange Traded Funds. „Die Gerüchte über die ETFs haben den Markt nach oben getrieben“, sagt Mark Augustynak, Edelmetallhändler bei Natixis in London. „Die Investoren setzen darauf, dass dem Markt Liquidität entzogen wird.“ Diese Spekulation ist nicht unbegründet, denn für die ETFs muss Platin physisch hinterlegt werden, es wird also zusätzliches Kaufinteresse generiert.

„Es sind schlicht und einfach die neuen ETFs, also Fonds die den Kauf des physischen Metalls bedingen“, sagt auch Robin Bhar von der UBS. Seit dem 24. April wird an der Londoner Börse der ETFS Physical Platinum Fonds gehandelt. Am 10. Mai bringt die Zürcher Kantonalbank auf Platin, Palladium und Silber lautende Zertifikate an den Markt. ETF-Absichten hatte auch eine größere US-Bank geäußert. Allein die Absichtsbekundung hatte den Preis zeitweise auf 1 390 Dollar getrieben.

„Damit ist ein Preis von 1 500 Dollar je Unze so gut wie um die Ecke“, kommentierte Derek Engelbrecht, der Marketingchef des südafrikanischen Platinriesens Impala Holdings, die mögliche Auflage weiterer Platin-ETFs. Nach Angaben von ETF Securities hat ihr ETF allein in den ersten Handelstagen Investmentgelder angezogen, die einer Menge von 6 051 Unzen Platin entsprechen. Eine Unze sind rund 31,1 Gramm. „Es bedarf nur einer zusätzlichen Nachfrage von etwa 500 000 Unzen von dieser Seite, um den Preis auf ein beträchtlich höheres Niveau zu hieven“, sagt John Reade, Chefstratege bei der UBS in London. Ganz abwegig sind derartige Schätzungen nicht. So hat etwa ein Silber-ETF den Umfang von 455 000 Unzen erreicht.

Die Spekulationen am Platinmarkt spiegelt sich auch an der New Yorker Nymex wider. Die Investoren haben ihre auf steigende Preise setzenden Kontrakte in Platin ausgebaut. Das Volumen der so genannten „longs“ schnellte per Saldo – also nach Abzug der auf fallende Preise setzenden „shorts“ – auf den höchsten Stand seit Dezember 2005.

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