Prognose für die neue Börsenwoche
Devisenmarkt-Ausblick: Konjunkturdaten im Fokus

„Nach der Zinsentscheidung ist vor der Zinsentscheidung“, so könnte man die Lage am Devisenmarkt umschreiben. Denn wirklich neue Erkenntnisse hat die Sitzung der US-Notenbank, die am Mittwochabend zu Ende ging, nicht gebracht.

HB DÜSSELDORF. Zwar wurden Spekulationen auf eine dezidiertere Wortwahl hinsichtlich der Inflationsrisiken und damit verbundenen Erwartungen einer weiteren Zinserhöhung nicht bestätigt, doch wirklich überraschend kam dies nicht. Bereits im Vorfeld der Notenbanksitzung hatten Händler die kursierenden Spekulationen als Argumentationshilfe für technisch bedingte Kursbewegungen bezeichnet und damit einer fundamental untermauerten Ursachenforschung eine Absage erteilt.

Dies überrascht nicht, denn die US-Konjunkturdaten der Vorwochen sind gerade in Hinblick auf die Inflationsrisiken viel zu durchwachsen ausgefallen, um eine klare Positionierung der US-Notenbank nach sich zu ziehen. Daher stellt der zurückhaltende Kommentar keine wirklich Überraschung dar. Zwar liefert er eine geeignete Begründung, die Abschwächung der US-Währung seit Mittwochabend zu erklären, doch dürfte diese Bewegung nicht viel mehr darstellen als die bereits seit längerem zu beobachtenden Schwankungen innerhalb einer Seitwärtsrange, die in erster Linie Ausdruck der herrschenden Unsicherheit ist.

Treffend formulieren die Devisenanalysten der DZ Bank die aktuelle Lage, wenn sie schreiben: „Dass die Dollar-Schwäche jetzt mit stabilen Zinsen begründet wird, zeigt uns eindrucksvoll das hohe Ausmaß der Verunsicherung über den weiteren Kurs der US-Geldpolitik.“ Wobei diese Verunsicherung, und dies muss betont werden, sicher weniger zu Lasten der US-Notenbank geht als Ausdruck der wechselhaften Konjunkturdaten ist, die bislang keine klaren Signale liefern, wie stark die erwartete Abschwächung der US-Wirtschaft ausfallen wird.

Um so mehr Bedeutung kommt den Wirtschaftsdaten der nächsten Woche zu. Vor allem die Angaben zur Produktivität und zu den Lohnstückkosten im dritten Quartal, der ISM-Index für das Nicht-verarbeitende Gewerbe sowie der Arbeitsmarktbericht für Oktober, die am Donnerstag bzw Freitag anstehen, könnten dem Devisenmarkt neue Impulse geben. Neben der Frage, ob die Arbeitsmarktdaten einen Trend zu einer schwachen Beschäftigungsentwicklung untermauern und damit die Vormonatszahlen bestätigen werden, dürfte die Entwicklung der Lohnkosten besondere Beachtung erfahren, prognostizieren die Experten der DZ Bank.

Anzeichen verstärkten Inflationsdrucks von dieser Seite könnte wieder einmal das Thema Zinserhöhungen auf den Plan rufen. Freilich bleibt die Frage, wie der Markt reagiert, wenn die Daten Konjunkturabschwächung und Inflationsgefahren gleichermaßen anzeigen und die US-Notenbank somit in ein kaum zu lösendes Dilemma bringen würden. Ein derartiges Szenario könnten bereits die persönlichen Einkommen und Ausgaben für September am Montag sowie der Arbeitskostenindex für das dritte Quartal, das Verbrauchervertrauen und der Chicago- Einkaufsmanagerindex am Dienstag sowie der ISM-Index für das Verarbeitende Gewerbe der USA am Mittwoch andeuten.

Aus der Eurozone stehen am Dienstag die Verbraucherpreise als wohl wichtigster Indikator für den Devisenmarkt an. Zwar könnten sich die rückläufigen Ölpreise dämpfend ausgewirkt haben, doch hätten die deutschen Inflationszahlen, die bereits veröffentlich wurden, derartige Konsequenzen nicht gezeigt, merken Analysten an. Zudem hat bereits das Wachstum der Geldmenge M3 im September gezeigt, dass Erwartungen an eine ins nächste Jahr hineinreichende Zinserhöhungsrunde durch die EZB nicht völlig unbegründet sind. Die EZB dürfte aber im Rahmen ihrer Sitzung am Donnerstag noch keine Anhebung vornehmen, so dass einmal mehr der begleitende Kommentar im Zentrum des Interesses stehen dürfte. In dessen Rahmen wird EZB-Präsident Jean-Claude Trichet wohl die gemienhin erwartete Erhöhung im Dezember vorbereiten.

Vor dem Hintergrund der komplexen Situation liegt es nahe, von einer Verlängerung der bestehenden Seitwärtsbewegung zu sprechen. Technische Analysten nennen eine von 1,24,50 bis 1,2780 US-Dollar reichenden Spanne. Spannend werde es erst, wenn sich der Euro einem dieser Eckpunkte nähere. Darin stattfindende Bewegungen sind hingegen nicht mehr als ein Ausdruck schwankender Ziellosigkeit.

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