Prognosen
Wie Schieferöl den Ölpreis drücken könnte

Weil die Ölreserven zu Ende gehen werden, denken einige Unternehmen über die Förderung von in Schiefergestein gebundenem Öl nach. Doch ob das rentabel wäre, hängt ganz von der Entwicklung des Ölpreises ab.
  • 6

LondonDie Ölreserven der Welt werden früher oder später zur Neige gehen. Die Ausbeutung sogenannter unkonventioneller Lagerstätten, in denen Rohöl in Schiefergestein oder Sand gebunden ist, könnte dies zwar hinauszögern. Experten streiten aber darüber, ob die neue Förderung ausreicht, um den wachsenden Bedarf zu decken und langfristig den Ölpreis zu drücken.

„Die 'Peak Oil'-Verfechter sind fast ausgestorben“, sagt Rohstoff-Experte David Hufton vom Brokerhaus PVM. Viele Mahner, die den Höhepunkt des weltweiten Fördervolumens (Peak Oil) bereits als überschritten ansahen, hätten die Fortschritte der Förder-Technologien nicht berücksichtigt. Denn Schieferöl kann nur unter hohem Aufwand gewonnen werden. Die hierzu notwendigen Verfahren wurden erst in den vergangenen Jahren bis zur Einsatzreife entwickelt. „Das Land mit dem höchsten Ölbedarf – sowohl absolut als auch pro Kopf – ist nun in einer Position, in der das heimische Angebot schneller wächst als der Bedarf.“ Alles deute darauf hin, dass es sich dabei und ein langfristiges Phänomen handele, fügt Hufton hinzu.

Während der Ölpreis-Rally 2007/2008, als ein Barrel – ein Fass von 159 Liter – der weltweit richtungsweisenden Nordsee-Sorte Brent zeitweise 147,50 Dollar kostete, sagten einige Experten, das weltweite Ölförder-Maximum sei bereits überschritten. Die bekannten Lagerstätten gingen zur Neige und neue könnten nur mit großem technischen Aufwand erschlossen und ausgebeutet werden können. Aktuell kostet ein Barrel rund 108 Dollar.

„Wir gehen davon aus, dass die Welt 2020 angesichts eines großen Angebots und mauer Nachfrage mit Öl geflutet sein wird“, sagt Volkswirt Julian Jessop von Capital Economics. Sein Research-Haus sieht Brent zum Ende des Jahrzehnts bei 70 Dollar je Barrel. Das ist der niedrigste Wert einer Reuters-Umfrage zur Preisentwicklung der kommenden Jahre.

Die gegenteilige Meinung vertreten die Analysten von Barclays Capital. Sie sagen einen Preisanstieg auf 184 Dollar voraus. Gleich dahinter rangieren die Experten von Berenberg mit ihrer Prognose von 158 Dollar. „Schieferöl hat zwar die US-Ölproduktion wiederbelebt“, schreiben sie in einer Studie. „Dieses neue Angebot ist – selbst wenn man die kanadischen Ölsande hinzuzählt – aber zu gering, um den Weltmarkt zu fluten.“ Rohstoff-Experte Michael Dei-Michei von der Beratungsfirma JBC Energy weist zudem darauf hin, dass die Fördermengen der Nicht-Opec-Staaten außerhalb Nordamerikas hinter den Erwartungen zurückbleiben.

Der Terminmarkt geht bislang von einer Entspannung des Ölpreises aus. Der bereit handelbare Brent-Kontrakt mit Verfallsdatum Dezember 2019 notiert derzeit bei knapp 91 Dollar. Ab diesem Preisniveau gilt eine Ausbeutung „unkonventioneller Lagerstätten“ als profitabel.

Zur Förderung von Schieferöl oder Schiefergas werden Gesteinsschichten mit Horizontalbohrungen unter Einsatz von hohem Druck und Chemikalien aufgebrochen. Dieses sogenannte „Fracking“ ist wegen möglicher Umweltrisiken allerdings umstritten. So enthalten die Abwässer gesundheitsschädliche Chemikalien, die das Grund- und Trinkwasser verunreinigen können. Außerdem können bei der Förderung entzündliche Gase wie Methan freigesetzt werden. Kritiker weisen zudem darauf hin, dass die beim Abbau entstehenden Hohlräume Erdbeben auslösen könnten. Bei Ölsanden wird das Bitumen mit Hilfe von Wasserdampf und Lösungsmitteln herausgewaschen.

 
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Prognosen: Wie Schieferöl den Ölpreis drücken könnte"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Hi Niedersachsenwahl...Niedersachsen hat genauso moderne, umweltfreundliche Kernkraftwerke wie Bayern. Denken Sie an Lingen/Emsland, Brokdorf. Niedersachsen hat wie auch Sachsen Anhalt und Hessen Salzstöcke die ideal für die Einlagerung toxischer und radiotoxischer Abfälle geeignet sind, Bayern nicht. Es macht auch wenig Sinn wenn jedes Bundesland seine eigenen Endlager hat.

    Abseits ökoreligiöser Phantasien sind solche Endlager für das Land sehr vorteilhafte, interessante Einnahmequellen. Ein Atommüllendlager in 750m Tiefe abgeschirmt von der Biosphäre ist verglichen mit natürlichen Uranvorkommen, natürlichen Vorkommen an Arsen, Blei, Cadmium geologisch gesehen wenig problematisch.

    Das Fracking wird von den Ökokonzernen verteufelt weil dies preiswerte Energie und damit einen Wohstandszuwachs verspricht. Für die Ökoreligion ist das eine Horrorvorstellung. Diese Erdgasvorkommen liegen alle unter einer gasundurchlässigen Schicht. Fracking hat demzufolge keine Auswirkungen auf Gundwasser und Biosphäre. Es ist sind wiederum reine Ökosagas.

    Vandale

  • Und wieder werden Preise gedrückt. Deutscher Volkssport!

    Wer zahlt diesmal dafür: Ganz einfach: Alle, durch die nachhaltige Zerstörung der Umwelt.

  • Mal wieder Volksverdummung ....
    Solange die dummen Schafe noch das Märchen von der Entstehung des Öls glauben, kann man ihnen das Zeugs immer teuerer verkaufen und sie unter Abhängigkeit und Kontrolle halten.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%