„Prudhoe Bay“ für Monate lahmgelegt
Hiobsbotschaft aus Alaska

Die zentrale Pipeline des größten US-Ölfeldes Prudhoe Bay im Norden Alaskas ist derart verrostet, dass die Rohre nach Angaben des Betreiberkonzerns BP auf 16 Meilen (knapp 26 Kilometer) Länge ausgetauscht werden muss. Eine Hiobsbotschaft auch für die betroffenen Energieverbraucher: Die Arbeiten werden Monate in Anspruch nehmen.

HB ANCHORAGE. BP teilte am Dienstag mit, die an der Pipeline entdeckten Korrosionsschäden seien so weit fortgeschritten, dass nur noch ein Austausch in Frage komme. Der britische Ölkonzern bestätigte, dass die Leitung in den vergangenen 14 Jahren nicht gereinigt wurde. Die Schäden sind im Zuge einer Untersuchung zu Tage getreten, die von der US-Regierung nach einem massiven Öl-Verlust im März angeordnet wurde. An manchen Stellen betrug die Wandstärke nur noch 20 Prozent. Offenbar unterschätzten die Ölmultis die aggresive Wirkung von Schwefelbestandteilen im Öl und der Kälte auf die stählernen Rohre. Nach BP-Angaben war die Leitung allerdings nur für eine Betriebsdauer von 25 Jahren ausgelegt; inzwischen sei die Pipeline schon 29 Jahre in Betrieb.

BP hält als Betreiber gut ein Viertel am Prudhoe-Bay-Konsortium, zu dem auch die US-Ölkonzerne Exxon Mobil und Conoco Phillips gehören. 400 000 Barrel oder acht Prozent der gesamten US-Ölförderung entfallen auf das riesige Feld im Norden des US-Bundesstaats. Das Vorkommen wurde 1968 entdeckt; seit 1977 wird Öl gefördert. Der Rohstoff muss über die 1 300 Kilometer lange Trans-Alaska-Pipeline zum eisfreien Hafen Valdez an der Südküste Alaskas gepumpt werden, wo das Öl auf Tankschiffe verladen wird.

Ölpreis geht leicht zurück

Der Ölpreis ist seit der Bekanntgabe der Schließung des Ölfeldes am Sonntag um mehr als zwei Dollar je Barrel (159 Liter) gestiegen. An der New Yorker Rohstoffbörse Nymex wurde am Montagabend für die Sorte Sweet Light Crude ein Schlusskurs von 76,98 Dollar für das Barrel festgelegt. „Dieser Preis ist wegen der an mehreren Fronten angespannten Lage nicht übertrieben“, sagt Hans-Jürgen Klisch, Energie-Experte der Investmentbank Raymond James & Associates in Houston/Texas. Der Krieg im Libanon, die Unruhen in Nigeria und die drohende Hurrikan-Saison im Golf von Mexiko hatten den Ölpreis schon nach oben getrieben. Im Computerhandel an der Nymex ging der Ölpreis allerdings bis zum Dienstagmorgen (Ortszeit) zwischenzeitlich auf 76,70 Dollar zurück.

Auf dem Markt wird der Puffer zwischen Ölproduktion und -nachfrage durch den Alaska-Ausfall noch dünner. In den vergangenen Monaten habe bereits eine Serie kleinerer Zwischenfälle und Verzögerungen die Produktion der Nicht-Opec-Mitglieder um eine Million Barrel am Tag unter die Prognosen gedrückt, erläutert Julian Lee, Energie-Analyst beim Londoner Centre for Global Energy Studies. „Die Ausfälle spiegeln die Anspannung, unter der die Ölindustrie weltweit steht“, sagt Lee. Die Fehler häuften sich, weil die Ölbranche am Rande ihrer Kapazitätsgrenzen arbeite.

Experten erwarten 80 Dollar pro Barrel

Claude Mandil, Direktor der Internationalen Energie-Agentur in Paris, erklärte, der Ausfall der Ölproduktion in Alaska könne durch die weltweit vorhandenen Ölbestände gedeckt werden. Die Märkte blieben jedoch nervös. Bei Meldungen über neue Hurrikan-Gefahren im Golf von Mexiko müsse rasch von neuen Höchstpreisen am Rohölmarkt ausgegangen werden, warnte Energie-Experte Zambo: „Wir dürften die Preismarke von 80 Dollar je Barrel schon bald sehen.“

Der neue Rückschlag für BP reiht sich ein in eine Serie folgenschwerer Pannen in Nordamerika. Erst im Juli nahm der Konzern ein Dutzend Ölquellen in Alaska außer Betrieb. Die Verletzlichkeit der Ölkonzerne zeigte auch der Hurrikan „Katrina“ im vergangenen Jahr: Die damals schwer beschädigte, eine Milliarde Dollar teure Ölplattform Thunder Horse wird noch bis ins kommende Jahr hinein außer Betrieb bleiben.

Der Konzern hat vor kurzem Bob Malone zum neuen US-Chef ernannt und ihm ein unabhängiges Beratergremium zur Seite gestellt. „Wir werden die Produktion nicht wieder aufnehmen, bevor wir und die Aufsichtsbehörden überzeugt sind, dass das Feld sicher betrieben werden kann und keine Gefahr für die Umwelt besteht“, kündigte Malone am Montag an. Mit einem endgültigen Förderstopp an dem Ölfeld rechnet BP nach eigenen Angaben in spätestens fünf Tagen.

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