Rätselraten vor dem Treffen der Opec – Experten dämpfen Hoffnungen auf dauerhaften Preisrückgang
Ölkartell lässt Märkte im Dunkeln

Trotz des insgesamt deutlichen Rückgangs der Rohölpreise geben Experten noch keine Entwarnung. Von einer „stabilen Preiswende“ könne keine Rede sein, sagt Hans Schiffer, Analyst bei RWE Power. Die Märkte seien in einer Abwartehaltung. Die Akteure warten derzeit vor allem auf das Ergebnis der Opec-Tagung am Freitag in Kairo.

DÜSSELDORF. Das Treffen der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) wird nach Ansicht von Branchenfachleuten Aufschluss darüber geben, inwieweit diese Förderländer die Märkte bewegen können. Kurzfristig standen allerdings an den Energiemärkten erneut die US-Ölbestände im Vordergrund. Ein unerwarteter Anstieg hatte in der vergangenen Woche einen Preisrutsch ausgelöst. Gestern notierte das europäische Brentöl sogar kurz unter 36 Dollar je Barrel (159 Liter), stieg dann aber wieder auf über 37 Dollar; Ende Oktober lag der Preis noch bei 45 Dollar.

Die Opec-Ölminister sorgen sich, ob bereits im Frühjahr wieder ein Überangebot herrschen könnte. Einzelne Opec-Vertreter wie der iranische Ölminister Bijan Namdar Zangeneh haben daher die Kürzung der Produktionsquote zur Diskussion gestellt. Andere, darunter der saudi-arabische Ölminister Ali el Naimi, sehen hingegen keinen Handlungsbedarf. „Der Winter kommt, unser Preisband ist unverändert bei 22 bis 28 Dollar, warum sollten wir irgendetwas unternehmen?“ sagte el Naimi gestern in Kairo.

Experten zufolge wird die Unsicherheit erst im Frühjahr weichen. RWE-Power-Analyst Schiffer argumentiert, angesichts der geopolitischen Konfliktpotenziale in wichtigen Förderregionen existierten nach wie vor zu geringe Puffer an freien Kapazitätsreserven. Doch durch die höheren Ölbestände sei der „spekulativen Übertreibungsphase“ der Boden entzogen worden.

Auch der Essener Energieprofessor Dieter Schmitt ist davon überzeugt, dass die Lage sehr labil bleibt. Die Internationale Energieagentur (IEA) in Paris habe in den letzten Jahren die Weltölnachfrage unterschätzt und das Angebot überschätzt. Die hohen Preise dürften aber das Wachstum des Verbrauchs bremsen und zusammen mit neuen Förderkapazitäten 2005 für eine entspanntere Versorgungslage sorgen. Auch der Vorstandsvorsitzende der Deutschen BP, Uwe Franke, geht davon aus, dass die Ölpreisausschläge gedämpft werden und die Preistendenz nach unten zeigt. Er schätzt, dass die hohe Ölnachfrage in China und Indien erst einmal sinken wird.

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