Rasanter Preisanstieg
Kakao: Gewinner unter Verlierern

Die Preise für Rohstoffe sind in den letzten Wochen und Monaten eingebrochen. Öl, Zucker, Aluminium - alle haben sie verloren. Lediglich ein Agrarrohstoff widersetzt sich dem Trend. Warum das so ist und wie die Perspektiven sind.

KAPSTADT. Es gibt kaum etwas Schöneres als den Augenblick, wenn die Zähne bei einer Trüffelpraline erst das Kakaopulver und dann die Hülle aus zarter Schokolade durchdringen. Rasch füllt sich die Nase mit dem bittersüßen Aroma der weichen, schmelzenden Füllung. Für viele gehören solche Momente zu den größten Genüssen. Nicht ohne Grund sprach der schwedische Botaniker Carl von Linné von der Kakaopflanze als der "Speise der Götter.

Kein Wunder, dass angesichts dieser Qualitäten weder die Finanzkrise noch der brutale Einbruch an den Rohstoffmärkten dem Kakaopreis viel anhaben konnten. Während Rohöl, Basismetalle und auch Getreide im Jahresvergleich zwischen 40 und 60 Prozent fielen, hat Kakao nach einem scharfen, kurzen Einbruch im Oktober einen Gutteil seiner Verluste wieder wettgemacht. Im Vergleich mit dem Jahresbeginn 2008 ließ Kakao mit einem Plus von über 25 Prozent alle anderen Rohstoffe sogar deutlich hinter sich. In Pfund berechnet lag das Plus wegen des jüngsten Einbruchs der britischen Währung sogar fast doppelt so hoch.

Neben dem Genussfaktor gibt es handfeste markttechnische Gründe für die Stablität des Preises: Die Internationale Kakao-Organisation (ICCO) hat für 2007/08 ein deutliches Produktionsdefizit von immerhin 77 000 Tonnen errechnet. Ein Grund liegt in dem Schädlingsbefall der Haupternte in der Elfenbeinküste, dem mit Abstand größten Produzenten der göttlichen Speise. Andere Gründe liegen möglicherweise im Horten von Kakao oder seinem möglichen Schmuggel nach Ghana, was sich aus währungstechnischen Vorteilen erklärt.

Die Haupternte wird für gewöhnlich im Januar eingebracht und liegt in diesem Jahr abermals klar unter den Erwartungen. Allerdings wird für die Nebenernte, die zwischen April und Oktober eingebracht wird, nach den guten Regenfällen in den vergangenen Wochen ein weit höherer Ertrag erwartet, wodurch das Defizit zumindest schrumpfen dürfte. Gegenwärtig gehen die Experten davon aus, dass die Produktion in der gegenwärtigen Erntesaison um rund 45 000 Tonnen hinter der Nachfrage bleiben wird. Dies wäre das dritte Defizit in Folge.

Unklar ist angesichts der starken Abkühlung der Weltwirtschaft, wie sich der unter anderem durch neue Nachfrager (China und Indien) angekurbelte Verbrauch auf Dauer entwickeln wird.

Hinzu kommen geänderte Gewohnheiten in den angestammten Abnehmerländern im Westen, wo in den Medien immer öfter die gesundheitlichen Vorzüge von Schokolade herausgestrichen werden - jedenfalls solange diese in Maßen konsumiert wird. Dies gilt vor allem für dunkle Schokolade, die einen deutlich höheren Kakaoanteil enthält.

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