Rato fordert Zinssenkung bei anhaltender Wachstumsschwäche in der Währungsunion IWF-Chef sieht den Euro als Erfolgsstory

Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat vor den schädlichen Folgen der Diskussion um ein Auseinanderbrechen der Europäischen Währungsunion gewarnt. „Der Euro ist eine Erfolgsgeschichte. Er hat den Mitgliedstaaten geholfen, mit den Herausforderungen der Globalisierung fertig zu werden“, betonte IWF-Chef Rodrigo Rato bei einer gemeinsamen Konferenz von IWF und Bundesbank.

mak/mm FRANKFURT/M. Er könne keinem Land zu einem Ausstieg aus dem Euro raten, sagte Rato. Auch im internationalen Währungsgefüge erfülle der Euro als zweite weltweite Reservewährung eine wichtige Funktion. Auch der italienische Wirtschaftsminister Domenico Siniscalco warnte gestern vor einem Ausstieg seines Landes aus der Währungsunion. Ein Rückkehr Italiens zur Lira würde etwa 70 bis 80 Mrd. Euro jährlich an zusätzlichen Zinszahlungen kosten, sagte Siniscalco. Aus ökonomischer Sicht sei die Abkehr vom Euro nicht sinnvoll.

Das Scheitern der Volksabstimmung zur europäischen Verfassung in Frankreich und den Niederlanden hatte zu einer Diskussion über ein mögliches Auseinanderbrechen der Währungsunion geführt. Der italienische Sozialminister Roberto Maroni von der rechten Lega Nord forderte vor kurzem die Wiedereinführung der Lira. In Deutschland droht der Euro im Wahlkampf in die Rolle des Sündenbocks für die Wachstumsschwäche gedrängt zu werden.

Der IWF erwartet zwar eine vorübergehende Abschwächung des europäischen Wirtschaftswachstums, dafür könne man aber nicht den Euro verantwortlich machen, sagte Rato. Die Euro-Länder müssten vielmehr ihre Reformanstrengungen verstärken, forderte er. Die Geldpolitik der EZB bezeichnete der IWF-Chef als „angemessen“. Sollte die für das zweite Quartal erwartete Wachstumsdelle aber von Dauer sein, so müsse eine Zinssenkung erwogen werden.

An Ratos Adresse richtete sich bei der gestrigen Konferenz die heftige Kritik eines Gouverneurs der chinesischen Notenbank, Delun Ma: Das Weltwährungssystem habe erhebliche Mängel und erfordere weitreichende Reformen. Der IWF müsse für stabile Wechselkurse zwischen den Weltreservewährungen sorgen, forderte Delun Ma. Auf dieser Grundlage sollten dann die Wechselkurse zwischen den Reservewährungen und allen anderen Währungen stabilisiert werden. Die Wechselkursschwankungen der Reservewährungen, vor allem des Dollars, seien die Hauptursachen der Instabilität des Weltwährungssystems, sagte der Chinese, auch an die Adresse der USA gerichtet. Alle anderen Länder kämen damit in ein Dilemma – entweder Inflation oder Deflation zu importieren oder die Kosten der Wechselkursschwankungen zu tragen.

Die USA haben China immer wieder wegen seiner Wechselkurspolitik kritisiert. Sie werfen den Chinesen vor, ihre Exporte künstlich billiger zu machen, in dem sie die eigene Währung zu einem niedrigen Kurs an den Dollar koppeln.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%