Referendum in Schottland
Pfund könnte nach Abspaltung abstürzen

Sollten die Schotten am 18. September für eine Abspaltung ihres Landes von Großbritannien stimmen, dürfte das gerade für das Pfund eine schmerzhafte Angelegenheit werden. Experten rechnen mit einem Kurssturz.
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FrankfurtScheiden tut weh: Im September stimmen die Schotten über eine mögliche Abspaltung Schottlands von Großbritannien ab. Die Währung des Vereinigten Königreichs könnte aufgrund der schlagartigen Unsicherheit über die Folgen des Referendums stark unter Druck geraten. Ein Kurssturz von rund fünf Prozent unter 1,6 Dollar sei nicht auszuschließen, prognostiziert Niall Delventhal vom Brokerhaus FXCM.

Zum Belastungsfaktor für die britische Währung dürfte sich vor allem die Bank of England (BoE) entwickeln, meint BayernLB-Analyst Manuel Andersch. Der Experte geht wie sein Kollege Delventhal davon aus, dass die Notenbanker ihre erste Zinserhöhung im Falle einer Unabhängigkeit Schottlands nach hinten verschieben werden.

Bislang rechnen Marktbeobachter damit, dass die Bank of England bis März 2015 die rekordniedrigen Leitzinsen von 0,5 Prozent anheben wird. Einige Volkswirte erwarten eine Straffung der ultralockeren Geldpolitik angesichts der brummenden Wirtschaft in Großbritannien sogar noch in diesem Jahr. Die Aussicht auf eine Anhebung der Zinsen, die Investition im Pfund-Währungsraum attraktiver macht, hatte die britische Währung zuletzt deutlich nach oben getrieben.

Doch mit einem eigenständigen Schottland wären für eine baldige Zinswende wohl zu viele Fragen offen: Wie würde etwa die britische Staatsverschuldung von 1,3 Billionen Pfund (rund 1,6 Billionen Euro) aufgeteilt? Und vor allem welche Währung würde Schottland nutzen? Die Forderung der Scottish National Party nach einer Pfund-Währungsunion, in der die BoE weiterhin die Geldpolitik für Schottland und den Rest Großbritanniens gestaltet, lehnt London ab.

Unternehmen dürften sich angesichts der ungelösten Währungsfrage erst einmal mit Investitionen und Einstellungen zurückhalten, prognostiziert BayernLB-Experte Andersch. Grund genug für die Zentralbanker, mit einer Leitzinserhöhung mindestens bis zu den britischen Parlamentswahlen im Mai 2015 zu warten, da vorher nicht mit klärenden politischen Entscheidungen zu rechnen wäre, sagt Andersch.

Für das Pfund wäre das ein ordentlicher Dämpfer. Zum Dollar hat die britische Währung seit Jahresanfang in der Spitze fast vier Prozent zugelegt - mit 1,7191 Dollar notierte sie Mitte Juli auf dem höchsten Stand seit Oktober 2008. Aktuell liegt sie bei 1,6649 Dollar.

Neben der Zinspolitik könnte auch die internationale Stellung eines „Rest-Großbritanniens“ zum Problem für das Pfund werden. Laut einer Studie der Commerzbank dürfte die britische Gesamtwirtschaft ohne Schottland um acht Prozent schrumpfen, wodurch Großbritannien auch auf der internationalen Bühne eine untergeordnetere Rolle spielen würde. Das seien sicherlich keine guten Nachrichten für die Währung eines Landes, erklären Händler.

Ob Großbritannien und Schottland 307 Jahren nach dem „Act of Union“ tatsächlich getrennte Wege gehen, steht allerdings noch in den Sternen. Jüngsten Umfragen zufolge liegen die Unabhängigkeitsgegner zwar weiter vorn, dennoch bleibt aus Sicht von BayernLB-Analyst Andersch ein Restrisiko. Spätestens kurz vor dem Referendum, dürfte sich diese Unsicherheit auch am Devisenmarkt bemerkbar machen und dem Pfund möglicherweise deutliche Verluste bescheren, prognostiziert der Experte.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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