Regulierung
Spekulanten spielen wichtige Rolle an den Märkten

Der Chef der Londoner Rohstoffbörse LME, Martin Abbott, hält Forderungen nach mehr Regulierung nicht für sinnvoll. Die Versuche von Regierungen, Spekulationen an den Rohstoffmärkten einzudämmen, bezeichnet er als "töricht". Auch namhafte Analysten pflichten ihm bei: Ohne Spekulation funktionierten die Börsen nicht.

Bloomberg LONDON. Eine zunehmende Regulierung zur Begrenzung der Spekulationen würde die Preise nicht senken, aber möglicherweise die Preisfindungsrolle des Marktes beeinträchtigen, erläuterte Abbott. Die Preise richteten sich nach Angebot und Nachfrage. Eine steigende Nachfrage aus den Schwellenländern und zu geringe Investitionen der Anbieter hätten zu einer strukturellen Veränderung an den Rohstoffmärkten geführt und die Preise nach oben getrieben, so Abbott.

"Im Rohstoffsektor insgesamt erleben wir etwas, das nicht einfach als heißes Geld bezeichnet werden kann, das an die Börsen strömt", sagte type="person" value="? Abbott, Martin">Abbott, der die weltgrößte Börse für Kupfer, Aluminium und andere unedle Metalle leitet. Die kräftig gestiegenen Preise für Rohstoffe wie Öl, Mais und Kupfer haben in der Politik Rufe nach mehr Regulierung laut werden lassen.

Der Rohstoff-Index CRB, der einen Korb von 19 Rohstoffen abbildet, hat seit Ende März 18 Prozent zugelegt. Er steuert auf seine beste Quartalsentwicklung seit 1973 zu. Der Ölpreis ist in diesem Jahr bisher 43 Prozent gestiegen. Die US-Aufsichtsbehörden ermitteln beim Ölhandel, denn sie befürchten, dass Investmentfonds und nicht Angebot und Nachfrage die Preise in die Höhe getrieben haben. So forderte der US- Senator Joseph Lieberman, die Rolle der Spekulanten an den Märkten zu begrenzen. Sein Entwurf sieht vor, institutionelle Investoren mit einem Anlagekapital von über 500 Mill. Dollar vom Kauf von Rohstoffen auszuschließen.

"Warum sollte ein gewählter Politiker eine bessere Vorstellung vom richtigen Preis haben als die gesamte weltweite Ölbranche, die über eine offene Börse handelt?", gibt Abbott zu bedenken. "Es ist schlicht und ergreifend Unsinn, wenn eine Regierung versucht, einen guten Preis für etwas festzulegen." Eine mangelhafte Analyse von Rohstoff-Investments dürfte dazu führen, dass Aufsichtsbehörden einschreiten und eine Verzerrung bei den Preisen auslösen, befürchten auch Analysten von Barclays Capital um Keven Norrish. "Ohne Spekulanten funktionieren auch die Börsen nicht", sagt Abott. "Die Weltwirtschaft funktioniert nicht ohne einen ungehinderten Kapitalstrom, und dieser ist ohne ein freies Zusammenspiel der Märkte nicht möglich."

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