Regulierung und EU Rohstoffhändler haben Angst vor Brüssel

Die Rohstoffbranche wird nach den Wünschen der Europäischen Union stärker reguliert. Die Händler fühlen sich mit Bankern über einen Kamm geschert und beklagen sich auf einem Rohstoff-Gipfel lautstark.
Eisenerzberge des Bergbaugiganten Rio Tinto in Parker Point, Westaustralien. Quelle: dpa
Eisenerz

Eisenerzberge des Bergbaugiganten Rio Tinto in Parker Point, Westaustralien.

(Foto: dpa)

LausanneWohin steuert die chinesische Wirtschaft? Einigen sich die Ölförderländer auf eine Begrenzung des Angebots, um den Preisverfall zu stoppen? Zwei Tage diskutierte das Who is Who der Rohstoffhändler auf dem „FT Commodities Global Summit“ solche Fragen. Eine der größten Bedrohungen für ihr Geschäft orten die Rohstoff-Manager aber ganz woanders: in Brüssel.

 Denn seit Jahren arbeitet die EU an neuen Regeln für die Finanzindustrie, die auch die Rohstoff-Branche erfassen soll: Mifid II heißt das Regelwerk. Es ist so komplex, dass seine Anwendung jüngst auf das Jahr 2018 verschoben wurde. Was die Rohstoffbranche aber nicht beruhigt.

Gold glänzt immer noch, Gas wird zum Ladenhüter
Aluminium
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Der im Leichtbau oft verwendete Rohstoff hat zu Jahresbeginn Anlaufschwierigkeiten. Im Januar fiel der Preis zunächst von 1500 auf 1450 Dollar je Tonne. Erst Mitte Februar setzte Aluminium zur Erholung an und stieg auf fast 1580 Dollar je Tonne. Allerdings erwies sich diese Erholung nicht als nachhaltig. Zuletzt kostete die Tonne circa 1540 Dollar je Tonne und damit nur etwas mehr als zu Jahresanfang.

Preisentwicklung (seit Jahresanfang): + 2,5 Prozent*

*Stand: 4. April 2016

Kupfer
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Auch bei Kupfer purzelten zu Jahresanfang die Preise. Allerdings befand sich das Metall bereits seit Jahren im Sinkflug. Noch im Mai vergangenen Jahres lag der Preis für eine Tonne bei fast 6400 Dollar. Anfang Januar rutschte der Preis auf 4325 Dollar. Seitdem konnte sich der Kupferpreis wieder auf zwischenzeitlich über 5000 Dollar erholen. Allerdings warnt die britische Investmentbank Barclays vor einer erneuten Korrektur bei Kupfer. Die Experten rechnen damit, dass der Preis im laufenden Jahr auf unter 4000 Dollar fallen werde.

Preisentwicklung: + 2,6 Prozent

Rohöl
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Es mag überraschend, dass Rohöl zu den Rohstoff-Gewinnern zählt. Seit Jahresanfang stieg der Preis für ein Barrel Rohöl der Sorte Brent um über drei Prozent. Allerdings hat Rohöl bereits eine rasante Talfahrt hinter sich. Im Vergleich zum Vorjahr ist der Preis satte 31,6 Prozent tiefer. Viele Rohstoffexperten trauen dem Treibstoff der Weltwirtschaft zudem keine schnelle Rückkehr in höhere Preisregionen zu.

Preisentwicklung: + 3,1 Prozent

Schlachtschweine
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Obwohl der Fleischkonsum, insbesondere der von Schweinefleisch, in Europa zurückgeht, sind die Preise für Schweine ("lean hogs") im laufenden Jahr angezogen.

Preisentwicklung: + 5,1 Prozent

Sojabohnen
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Bis Ende Februar erlebte der Sojabohnenpreis eine wilde Achterbahnfahrt. Der Chart sieht bis zu diesem Zeitpunkt mehr aus wie eine seismografische Erdbebenaufzeichnung als die Preisentwicklung eines Rohstoffes. Anfang März hat der Sojabohnenpreis das wilde Hin und Her beendet und ist in eine rasante Preisjagd übergangenen.

Preisentwicklung: + 6,9 Prozent

Platin
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Während Gold im laufenden Jahr eine Wiedergeburt als Krisenwährung erlebte, ließen die Investoren das Edelmetall Platin zunächst links liegen. Das führte dazu, dass die Gold-Platin-Ratio bis auf 1,31 wuchs. Vielen Anleger hielten dieses Verhältnis für zu hoch und griffen bei Platin zu.

Preisentwicklung: + 7,1 Prozent

Silber
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Ähnliches gilt für Silber. Im Schatten der glänzenden Entwicklung des Goldpreises vergaßen viele das Edelmetall. Später folgte die Kehrtwende. Im Februar zogen die Preise dann stark an. Zuletzt kostete eine Feinunze über 15 Dollar. Damit liegt der Preis allerdings im Vergleich zum Vorjahr rund 14,6 Prozent tiefer.

Preisentwicklung: + 8,6 Prozent

„Die Regulierung droht nachhaltige Folgen für die Geschäftsmodelle der Branche zu haben“, warnte Guillaume Vermersch, Finanzchef des Rohstoff-Riesen Mercuria. „Man kann Rohstoffhändler nicht mit Finanzinstituten vergleichen“, schimpfte Torbjörn Törnqvist, der CEO der Ölhändlers Gunvor.

Das Regelwerk Mifid II betrifft die Rohstoff-Branche in zwei Punkten. Zum einen sieht das Regelwerk Positionslimits vor. Laut den jüngsten Vorschlägen der europäischen Marktaufsichtsbehörde Esma soll kein Marktteilnehmer mehr als 35 Prozent alle Termin-Geschäfte für eine bestimmte Rohwaren-Kategorie besitzen dürfen. Damit soll verhindert werden, dass ein Marktteilnehmer das Angebot künstlich verknappt und damit die Preise für Lebensmittel nach oben treibt.

In den USA gibt es vergleichbare Regeln, aber sie umfassen bei weitem nicht so viele Warengruppen wie die EU-Pläne. „Über 1000 Produktgruppen sind betroffen“, sagte Paul Willis, Rohstoff-Experte der britischen Marktaufsicht FCA.

Der zweite Punkt ist, dass Rohwaren-Händler unter bestimmten Bedingungen ihre Absicherungsgeschäfte wie Banken mit Eigenkapital absichern sollen. Das hängt laut den EU-Plänen von zwei Faktoren ab: Zum einen vom Anteil spekulativer Derivate-Geschäfte, denen also kein Absicherungsgedanke zu Grunde liegt, am gesamten Handelsvolumen eines Händlers. Machen Spekulationsgeschäfte mehr als 10 Prozent des Handels aus, sollen Rohstoffhändler unter Mifid II fallen.

Zum zweiten sehen die Entwürfe eine Art Marktanteils-Test vor, sprich, welcher Anteil ein Händler mit seinen Transaktionen eines bestimmten Kontraktes am gesamten EU-Markt hat. Der Schwellenwert hier variiert je nach Warengruppe zwischen drei Prozent bei Öl-Produkten und 20 Prozent für Co2-Emissionsrechte.

Die Branche fürchtet, dass die Regeln ihre Risikoabsicherung verteuert. „Wenn wir die physischen Händler davon abhalten, ihre Risiken abzusichern, dann erhöhen wir die Risiken“, so Gunvor-Chef Törnqvist.

Warum sich Rohwaren-Händler nicht als Risiko sehen
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