Regulierung von Bitcoin und Blockchain Krypto-Lobby legt Forderungen vor

Immer mehr Anleger kaufen Bitcoins. Aber deutsche Politiker und Aufseher ignorieren die Kryptowährung und ihre Technik oft noch. Das soll sich ändern, findet die Branche – und legt jetzt einen Forderungskatalog vor.
Update: 19.10.2017 - 06:38 Uhr 5 Kommentare
Bitcoin und Blockchain: Krypto-Lobby legt Forderungen vor Quelle: dpa
Reichstag im Herbst

Früher oder später wird die neue Bundesregierung stehen – die Krypto-Branche positioniert sich.

(Foto: dpa)

DüsseldorfDas ging schnell: Ende Juni hatte sich in Berlin der Blockchain-Bundesverband gegründet. Jetzt hat die Vereinigung der Krypto-Branche ihr erstes Positionspapier vorgelegt. Das verkündet nicht weniger als eine neue digitale Revolution und fordert die Politik zum Handeln auf, damit Deutschland aus Sicht des Verbandes nicht wieder ein wichtiges Zukunftsthema verschläft.

Die neue Bundesregierung soll demnach eine Vorreiterrolle in Europa einnehmen, Blockchain-Pilotprojekte starten und – eine für ein Lobbypapier unübliche Forderung – für mehr Regulierung sorgen.

Blockchain ist die Technik, die den Bitcoin, aber auch alle anderen digitalen Währungen möglich macht. Hinter dem Begriff verbirgt sich eine dezentrale, verteilte Datenbank. Diese ist auf Tausenden Rechnern auf der ganzen Welt gespeichert und wird ständig erweitert. Da sie transparent einsehbar ist und alle Transaktionen seit ihrer Auflegung verzeichnet, ist sie praktisch fälschungssicher: Nachträgliche Manipulationen fallen aufgrund der vielen Kopien sofort auf. Das macht die Technik nicht nur für Bitcoin und Co. interessant, sondern auch für viele andere Anwendungen.

Der Blockchain-Bundesverband mit Sitz in Berlin hat knapp 30 Mitglieder, darunter Wissenschaftler, Juristen und zahlreiche Firmen aus dem Bereich Kryptowährungen und Blockchain-Anwendungen. Im gestern Abend veröffentlichten Positionspapier gibt sich die bislang überschaubare Branche selbstbewusst: „Blockchains werden die treibende Kraft hinter dem nächsten Evolutionsschritt des Internets sein, dem Internet der Verträge und Transaktionen“, heißt es. Mit der Blockchain-Technologie könnten Verträge basierend auf Vertrauen und ohne Mittler abgeschlossen werden, was neue Geschäftsmodelle ermögliche.

Doch der hiesige High-Tech-Standort könnte diese Entwicklung verschlafen. „Deutschland hat die Web-2.0-Revolution verpasst, dementsprechend kommen die Global Player nicht aus Deutschland. Durch die Blockchain-Revolution bietet sich nun die Möglichkeit einer zweiten Chance.“ Die Hoffnung: Wenn Google, Apple, Facebook und Amazon schon nicht aus Deutschland kommen, gelingt es ja vielleicht im Krypto-Bereich, einen globalen Marktführer aufzubauen. Damit der nicht in der Schweiz, in Gibraltar oder Singapur heranwächst, müsse Deutschland die Federführung übernehmen.

„Wichtig ist, dass Politik und Aufsichtsbehörden in wichtigen Fragen Rechtssicherheit für die Krypto-Branche herstellen. Selbst wenn das konkretere Regulierung mit sich bringt“, fasst Nina Siedler die Sicht zusammen. Die Berliner Rechtsanwältin mit Schwerpunkt Finance berät zahlreiche Start-ups aus der Branche und hat das Positionspapier mitverfasst. „Als Bundesverband erkennen wir an, dass sich die Branche an alle aufsichtsrechtlichen Vorgaben hält, etwa an Erlaubnis- und Prospektpflichten. In vielen Fällen muss deren Anwendungsbereich aber konkretisiert werden.“

16 Kapitel umfasst das Positionspapier. In ihnen schlägt der Bundesverband teils abstrakte, teils konkrete Maßnahmen vor.

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5 Kommentare zu "Regulierung von Bitcoin und Blockchain: Krypto-Lobby legt Forderungen vor"

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  • @ Novi Prinz19.10.2017, 10:41 Uhr

    "Warum sollte man Verbraucher davor "schützen " alte Zeitungen zu kaufen ?"

    Das ist eine gute Frage. Unsere Politiker gängeln den mündigen Verbraucher/Bürger aber auf allen Gebieten, insbesondere auch bei den Finanzen. Das nennt sich Verbraucherschutz.

  • Warum sollte man Verbraucher davor "schützen " alte Zeitungen zu kaufen ?

  • Demnächst legen Spieler aus diversen Casinos Ihre Forderungen fest.
    Allein der Begriff "Forderungen" aus Mafia ähnlichen Kreisen läßt mein Blut gefrieren.
    Literatur zum Thema der" Untergang Rom`s" sollte bei vielen Politikern wieder zur Pflichtlektüre werden.

  • Das sind keine Anleger sondern Spekulaten. Bicoins und Co. sind keine seriöse Anlage, Zahlungsmittel auch nicht. Bevor der Staat auf irgendwelche Forderungen eingeht, sollte dieses Spiel, wie alles im Finanzsektor, geregelt und überprüft werden. Wenn Verbraucher dort Geld "anlegen", muß dann ein Protokoll geschrieben werden, gibt es ein Produktinformationsblatt?

  • Schon wieder lästiges Neuland... Wo man doch die Herausforderungen von Vor-Vor-Gestern noch gar nicht gänzlich verstanden hat, auch weil man sich lieber nicht damit auseinandersetzt, ist ja schließlich anstrengend. Gute Nacht Deutschland.

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