Reis
Analysten erwarten Preisverdoppelung

Nach einer Dürre in Indien und Wirbelstürmen auf den Philippinen zeichnen sich Ernteausfälle ab. Im laufenden Handelsjahr erwartet das US-Landwirtschaftsministerium ein Abschmelzen der weltweiten Reisvorräte um 41 Prozent. Derweil sorgen die Inder für eine kräftige Steigerung der Nachfrage.
  • 0

BANGKOK. Für das Grundnahrungsmittel Reis wird man demnächst sehr viel mehr zahlen müssen - möglicherweise mehr als das Doppelte des derzeitigen Preises. Denn nach einer Dürre in Indien und Wirbelstürmen auf den Philippinen zeichnen sich Ernteausfälle ab. Ein Anstieg auf über 1 000 Dollar (668 Euro) je Tonne ist nach Ansicht von Saruny Jeamsinkul, stellvertretender Geschäftsführer bei Asia Golden Rice in Bangkok, nicht ausgeschlossen.

Thailand ist weltweit der größte Reisexporteur. Rex Estoperez, Sprecher der nationalen Lebensmittelbehörde auf den Philippinen, rechnet damit, dass der Preisanstieg erst im kommenden März seinen Gipfel erreicht. In der Vorwoche hat seine Behörde eine Ausschreibung zur Einfuhr im Rekordumfang von 600 000 Tonnen Reis vorgenommen. Die Philippinen wollen die Lager aufstocken, bevor die Preise nach oben ziehen. Die Philippinen sind weltweit die Nummer eins unter den Reisimporteuren.

Für eine kräftigere Nachfrage sorgt in diesem Jahr auch Indien: Das Land mit der zweitgrößten Bevölkerung der Welt dürfte erstmals seit zwei Jahrzehnten zum Nettoimporteur von Reis werden. Hintergrund ist eine Dürrewelle nach der schwächsten Monsunperiode, die der Subkontinent seit 1972 erlebt hat. Die UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) rechnet für das Erntejahr 2009/2010, das am 1. Oktober begann, mit einem Rückgang der Reisernte in Indien um 15 Prozent auf 84 Millionen Tonnen.

Vorräte sind deutlich gesunken

"Das Verhältnis von Angebot und Nachfrage wird extrem knapp, wenn Indien an den Markt kommt", sagt Mamadou Ciss, Vorstandsvorsitzender des Finanzinvestors Hermes Investments in Singapur. Der Preis für thailändischen Reis mit Exportqualität werde in den kommenden drei bis fünf Monaten um mindestens 20 Prozent auf 650 bis 700 Dollar je Tonne anziehen, meint Experte Ciss. "Mitte 2010 kann der Markt sogar auf 2 000 Dollar je Tonne hochschnellen", fügt er hinzu. Derzeit pendelt der Reispreis je Tonne um die Marke von 540 Dollar (siehe Grafik).

Das US-Landwirtschaftsministerium erwartet ein Abschmelzen der weltweiten Reisvorräte im laufenden Handelsjahr um 41 Prozent auf 85,9 Mio. Tonnen. Die begrenzte Ertragssteigerung ist "einer der Hauptgründe für das Ungleichgewicht zwischen der langfristigen Nachfrage und dem Angebot", so das Internationale Reisforschungsinstitut (IRRI) auf den Philippinen.

Quelle: Bloomberg

Kommentare zu " Reis: Analysten erwarten Preisverdoppelung"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%