Rekordhoch bleibt aber weiter in Sicht
Ölpreis gibt leicht nach

Der Ölpreis ist am Dienstag wieder etwas gesunken, nachdem er wegen der Schließung des größten Ölfelds in den USA am Vortag ein Rekordhoch markiert hatte. Die Nachrichten des Betreibers BP, das Feld wegen eines Lecks an einer alten Pipeline für unbestimmte Zeit zu schließen, hatten die Nervosität am Markt verstärkt.

HB LONDON. Ein Barrel der marktführenden Nordseesorte Brent zur Lieferung im September verbilligte sich bis zum frühen Abend um 30 Cent. Mit knapp 78 Dollar ist das bisherige Rekordhoch von 78,65 Dollar aber weiter in Sicht. Experten warnten, der Beginn der Hurrikan-Saison in den USA könnte die Öl- und Benzinpreise schon bald wieder steigen lassen.

Die Nachrichten des Betreibers BP, das Feld wegen Lecks an einer alten Pipeline für unbestimmte Zeit zu schließen, hatten die Nervosität am Markt verstärkt. Öl hat sich in den vergangenen Monaten stark verteuert und blieb zuletzt vor allem wegen der mittlerweile seit vier Wochen anhaltenden Nahost-Krise auf hohem Niveau. Der Vorfall um das Ölfeld von BP in Alaska unterstreicht auch die Anfälligkeit der Branche angesichts einer Infrastruktur, die größtenteils mehr als 30 Jahre alt ist. Grund für die Schließung des Ölfelds war eine korrodierte Pipeline. In dem Feld wurden täglich rund 400 000 Barrel (rund 159 Liter) gefördert. „Da ist die Atom-Sache mit dem Iran, Israels Vorgehen im Libanon und nun verrostet auch noch die Infrastruktur“, sagte David Dugdale von MFC Global Investment Management. „Es ist sehr hart, derzeit auf sinkende Preise zu setzen... Ich denke, die Preise werden oben bleiben und sehr stark schwanken“, sagte er.

Für Anspannung am Ölmarkt haben jüngst auch Angriffe auf die Öl-Infrastruktur sowie Entführungen in Nigeria gesorgt. Wegen der Ausschreitungen in dem ölreichen Land stehen dem Markt täglich mehr als 700 000 Barrel weniger zu Verfügung. Auch der Streit um das iranische Atomprogramm hat zum Preisdruck am Ölmarkt beigetragen. Zusätzlich wird befürchtet, dass der Krieg zwischen Israel und der libanesischen Hisbollah-Miliz im Libanon auf die Region übergreifen könnte und es so zu weiteren Förderausfällen kommt. Aus der Region stammt rund ein Drittel der weltweiten Ölexporte.

Neue Rekordpreise drohen in den kommenden Monaten nach Worten der Öl-Expertin Sandra Ebner von der DekaBank auch durch Hurrikane in den USA: „In den nächsten Monaten gibt es zusätzliche Risiken.“ Zumindest kurzfristig sieht auch Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) den Ölpreis wegen der vielen Krisenherde auf 85 Dollar je Barrel (159 Liter) zusteuern. Solche Preissprünge bekämen die deutschen Verbraucher schnell zu spüren: Nach dem Hurrikan „Katrina“ in den USA hatte Superbenzin in der Spitze 1,44 Euro und Diesel fast 1,20 Euro pro Liter gekostet. Heino Elfert vom Energie Informationsdienst (EID) befürchtet, dass der Super-Preis auf 1,50 Euro klettert, falls ein Hurrikan wie im vergangenen Jahr Raffinerien beeinträchtigt. Derzeit liegt der Preis im Schnitt noch unter 1,40 Euro.

Die USA gehen jedoch mittlerweile davon aus, dass die Hurrikan-Saison in diesem Jahr nicht ganz so heftig ausfällt wie im vergangenen Jahr. Die National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) erwartet nach Angaben vom Dienstag höchstens neun Hurrikane, nachdem sie im Mai noch bis zu zehn prognostiziert hatte. Auch andere Forscher haben in der vergangenen Woche ihre Vorhersagen etwas reduziert.

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