Rekordniveau
Öl treibt Kautschukpreise

Zurück zur Natur: weil die Produktion von Synthesekautschuk wegen des Ölpreises immer teurer wird, steigt weltweilt die Nachfrage nach Naturkautschuk. Vor allem in China ist der Bedarf riesig, die Vorräte schrumpfen. Der Rohstoff ist dadurch mittlerweile wieder so teuer wie einst im Koreakrieg.

LONDON. Der hohe Rohölpreis unterstützt am Kautschukmarkt einen Favoritenwechsel. Bisher hatte der aus dem Ölderivat Naphta hergestellte Synthesekautschuk dem aus dem Baumsaft Latex gewonnen Naturkautschuk eindeutig den Rang abgelaufen.

Im vergangenen Jahr stand einer Produktion von 13,58 Mill. Tonnen an Synthesekautschuk noch eine Produktion von gerade einmal 9,91 Mill. Tonnen an Naturkautschuk gegenüber. Doch in Zukunft könnte Kautschuk dem Syntheseprodukt zunehmend Marktanteile streitig machen. Voraussetzung dafür ist, dass der Ölpreis auf seinem hohen Niveau verharrt. Gestern blieben die Rohölpreise mit knapp 134 (Brentöl) bzw. gut 136 Dollar (WTI) unter dem Rekordhoch.

Die Nachfrage nach Naturkautschuk, fast 80 Prozent davon gehen in die Reifenherstellung, steigt inzwischen um etwa sechs Prozent im Jahr. Die Folge: Auch die Kautschuknotierungen legen stetig zu. Ende Mai zogen die Notierungen am Terminmarkt in Tokio auf den höchsten Stand seit 28 Jahren an. An den Kassamärkten in Thailand, Indonesien und Singapur schoss der Preis mit über drei Dollar je Kilogramm sogar auf den höchsten Stand seit dem Koreakrieg 1952. Der Krieg hatte damals einen regelrechten Boom der Rohstoffpreise ausgelöstet.

„An dem hohen Kautschukpreis ist nicht nur der hohe Ölpreis Schuld“, meint indes ein Händler in Tokio. Vielmehr drohe bei Naturkautschuk – der Baumsaft Latex – zusätzlich eine Knappheit. Grund dafür seien schwere Regenfälle in Südostasien und die dadurch verursachten Unterbrechungen bei dem Anzapfen der Bäume. Im Mai hatte noch ein Kälteeinbruch und der Mangel an Regen die saisonübliche Zunahme der Produktion in der Region verhindert. Thailand bestreitet dort mit einer Jahresproduktion von 3,2 Mill. Tonnen Latex etwa ein Drittel des Weltangebots, auf Malaysia entfällt ein knappes Achtel.

Indonesien, der zweitgrößte Anbieter am Weltmarkt, bringt es auf etwa 2,9 Mill. Tonnen im Jahr.

Getrieben wurden die Preise zuletzt auch durch die Mitteilung, dass die Kautschukvorräte Chinas im Mai bereits den elften Monat in Folge auf dem niedrigsten Stand seit Dezember 2005 gefallen sind. „China wird mit der Aufstockung seiner Bestände wohl nicht mehr lange warten können“, meint Kazuhiko Saito von der Capital Management Co. in Tokio. Mit weniger als 20 000 Tonnen hätten die chinesischen Vorräte bei einem Importbedarf von über zwei Mill. Tonnen 2008 einen kritischen Stand erreicht. Das Riesenreich nehme fast ein Viertel des Weltkautschukangebots auf.

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