Renaissance der Kernenergie
Klimawandel treibt Uranpreis

Ein eigentlich bereits abgeschriebener Rohstoff kann als Gewinner der Klimadiskussion betrachtet werden: Das Verlangen nach sauberer Energie und die damit verbundene Nachfrage lassen die Preise für Uran explodieren. Mittelfristig drohen allerdings Lieferengpässe.

FRANKFURT. Die leidenschaftlich geführte weltweite Diskussion um den Klimawandel macht Uran zum begehrten Rohstoff. Der Preis von Uran U3O8 hat jüngst durch Veröffentlichungen von Klimastudien bekannter Institute neuen Auftrieb erhalten. Nachdem das als Primärenergieträger in Kernkraftwerken und Kernwaffen eingesetzte Uranoxid noch 2000 lediglich sieben Dollar je Pound (lb) kostete, ist es zuletzt auf 113 Dollar/lb in die Höhe geschossen. „Aus Sicht der Anleger war Uran in den vergangenen Jahren der Rohstoff Nummer eins“, sagt Hans-Jürgen Klisch von Raymond James & Associates.

Dabei fand der exorbitante Preisanstieg im Gegensatz zur Öl-Hausse – dieser Preis kletterte „nur“ von zehn auf 80 Dollar je Barrel – lange in der Öffentlichkeit kaum Beachtung. Doch aktuelle Horrorszenarien in der Klimawandel-Diskussion spülten jetzt die Erkenntnis an die Oberfläche, dass zwischen dem Wunsch nach einer sicheren Energiezukunft und Verhinderung der Klimakatastrophe einerseits sowie dem Verzicht auf Atomkraft und Uran andererseits ein Zielkonflikt existiert.

„Der UN-Klimabericht belegt die Notwendigkeit, die CO2-Emissionen weltweit rasch und deutlich zu senken“, sagt Peter Kausch von der Universität Freiberg/Sachsen. Nicht zuletzt auf Grund dieser Erkenntnisse liegt der Preis für Uran U3O8 heute 57 Prozent höher als Ende 2006. „Uran ist der stärkste aller in unserem Index enthaltenen 32 Rohstoffe“, sagt Patricia Mohr von der Scotiabank.

Die ungebremste Vermehrung der Weltbevölkerung mit dem daraus folgenden Nahrungsmittelbedarf verbiete eine Reduktion traditioneller „CO2-Verursacher“ aus der Landwirtschaft wie Viehzucht und Reisanbau, sagen Experten.

Da eine nennenswerte Drosselung des Energieverbrauchs nicht zu erwarten sei, kann Klimaschutz nach Kauschs Ansicht nur mit dem forcierten Einsatz „sauberer“ Energien erreicht werden. „Die bislang einzige zuverlässig und ausreichend einsetzbare saubere Energie ist die Kernenergie“, sagt er. Neben ideologischen Argumenten würden Gegner oft behaupten, die verfügbaren Uranreserven reichten für eine stärkere Nutzung von Kernenergie nicht aus. „Dies trifft nicht zu“, sagt Kausch. Insbesondere in Kasachstan, Kanada, Australien, Namibia, Südafrika, Russland und China seien große Vorräte bekannt. Zudem gebe es noch zahlreiche unerschlossene Vorkommen.

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