Ressourcen reichen noch für mindestens 50 Jahre
Das Ölzeitalter ist noch lange nicht beendet

Vorurteile, die dem Zeitgeist entsprechen, halten sich selbst dann hartnäckig, wenn empirische Fakten sie widerlegen. Dies gilt auch für die These vom nahenden Ende des Ölzeitalters. Namhafte Geologen prognostizieren schon seit langem, dass der Höhepunkt der Weltölförderung kurz bevorsteht.

HB DÜSSELDORF. Der US-Ölgeologe M. King Hubbert stellte bereits 1956 fest, dass die technische Produktionsleistung von Erdölfeldern entlang einer Glockenkurve verlaufe: Nach steilem Anstieg folge ein Plateau, anschließend gehe die Produktion immer mehr zurück. Hubbert lag mit seinen Aussagen für die Entwicklung der US-Ölförderung richtig. Der Geologe Colin Campbell, pensionierter Mitarbeiter von BP, sagte den weltweiten Peak schon für 1989, für 1995, für 1998 und dann für 2002 voraus. Nun soll der Höhepunkt um das Jahr 2010 erreicht werden.

Die aktuellen Ölpreissprünge in Richtung der 50-Dollar-Marke scheinen diese dramatische Verknappungsthese zu bestätigen. Der aktuelle Ölpreisschub basiert jedoch nicht auf versiegenden Ölfeldern, sondern auf schon exzessiven Nachfragesteigerungen und unzureichenden Kapazitäten im Upstream-Bereich (Exploration und Produktion) und im Downstream-Bereich (Transportinfrastruktur und Raffinerien). Physische Mangellagen sind auf Sicht keineswegs das Problem; vielmehr stellen politisch verursachte Lieferstörungen und Zugangsbarrieren für potente ausländische Ölgesellschaften in wichtigen Förderregionen die zentrale Herausforderung dar. Solange diese geopolitischen Ungleichgewichte vorherrschen, ist die Phase des billigen Öls vorbei. Der von vielen Experten längerfristig als Gleichgewichtskorridor gepriesene Preispfad zwischen 18 und 25 Dollar je Barrel ist so lange nicht realisierbar, wie die politischen Verwerfungen am Persischen Golf, aber auch in Ländern wie Nigeria oder Venezuela vorherrschen.

Ein physischer Ölmangel ist damit aber noch nicht dauerhaft programmiert. Denn weltweit können neue Erdölressourcen in gewaltigem Umfang relativ kostengünstig erschlossen werden. Peter Davies, Chefökonom der BP-Gruppe in London, geht die Beantwortung der Ressourcenfrage aus ökonomischer Sicht an. Demnach haben technologische Fortschritte die Erschöpfung der Energievorkommen immer wieder weit hinausgeschoben. Die Wahrscheinlichkeit einer dauerhaften weltweiten Verknappung mit der Erreichung des Höhepunkts des globalen Fördermaximums wird daher als sehr gering veranschlagt.

Seite 1:

Das Ölzeitalter ist noch lange nicht beendet

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%