Rettungsschirm EFSF
Slowakische Regierungskrise lässt Euro kalt

Die Verzögerung bei der Erweiterung des Euro-Rettungsschirms hat den Euro nicht geschwächt. Im Gegenteil: Zeitweise notierte er so hoch wie seit fast vier Wochen nicht mehr.
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FrankfurtDer Euro hat am Mittwoch den Rückschlag für die Erweiterung des Euro-Rettungsschirms EFSF durch die Slowakei relativ ungerührt abgeschüttelt. Die Gemeinschaftswährung kletterte in der Spitze um eineinhalb US-Cent auf 1,3815 Dollar und notierte damit so hoch wie seit fast vier Wochen nicht mehr. „Der Markt setzt darauf, dass der von Deutschland und Frankreich am Wochenende eingebrachte Zeitplan umgesetzt wird und es einen großen Wurf zur Lösung der Euro-Krise geben wird“, erklärte DZ-Bank-Analystin Sandra Striffler. „Aber das bewegt sich auf dünnem Eis, da ist noch nichts in trockenen Tüchern.“

Das Parlament in Bratislava hatte am Dienstagabend gegen die Aufstockung des Euro-Rettungsschirms gestimmt. Doch wird nun erwartet, dass es bei einer zweiten Abstimmung eine Mehrheit dafür geben wird. „Immer noch stehen also die Chancen gut, dass die EFSF-Aufstockung und die Erweiterung der EFSF-Aufgaben klappen“, stellten die Analysten der Commerzbank fest. Die nun in der Slowakei ausgebrochene Regierungskrise mache aber deutlich: „Der politische Preis, den Europa zahlen muss, ist verdammt hoch“, fügten die Analysten hinzu.

Händler führten den deutlichen Kursanstieg auch auf technische Faktoren zurück. „Da wurden eine Reihe charttechnischer Hürden genommen, die zusätzliche Käufe auslösten“, erklärte ein Börsianer. Zudem seien die Umsätze extrem gering, so dass schon kleinere Orders größere Kursbewegungen nach sich ziehen könnten.

Die Zuversicht über ein möglicherweise anstehendes Ende der Euro-Krise spiegelte sich auch am Rentenmarkt wider. Dort brach der Bund-Future um bis zu 86 Ticks auf 133,69 Zähler ein. „Das scheint mir alles ziemlich übertrieben zu sein“, kommentierte ein Händler. „Die Probleme sind noch lang nicht vom Tisch, das kann schnell wieder in die andere Richtung gehen.“

Erstmals seit dem Sommer wagte sich die deutsche Finanzagentur wieder am ultra-langen Ende an den Markt und stockte die 30-jährige Bundesanleihe um 1,62 Milliarden Euro auf. Das Interesse der Anleger war - wie üblich bei solchen Langläufern - gering. Die 30-jährige Bundesanleihe brach um 2,12 Punkte auf 135,16 Zähler ein, was die Rendite auf 2,92 von 2,82 Prozent am Vorabend trieb.

Auch die Renditen der meisten anderen europäischen Staatsanleihen tendierten höher. Lediglich die Renditen der griechischen Papiere gaben nach. Händler erklärten, am Markt werde über die mögliche Höhe eines Schuldenschnitts spekuliert. Bundesbank-Präsident Jens Weidmann hält eine Staatspleite Griechenlands nicht mehr für undenkbar, wie er der „Bild“-Zeitung sagte.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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