Rezessionsangst
Ölpreis stürzt unter 50 Dollar

Noch im Sommer stand der Ölpreis unmittelbar vor der Marke von 150 Dollar. Jetzt kostet das Fass gerade noch ein Drittel davon. In New York fiel der Preis für Rohöl sogar erstmals seit Mai 2005 unter 50 Dollar. Eine erneute Produktionskürzung des Ölkartells Opec wird damit immer wahrscheinlicher.

HB NEW YORK/LONDON/WIEN. Die Ölpreise haben ihre Talfahrt am Donnerstag fortgesetzt und sind erstmalig seit über drei Jahren unter die Marke von 50 Dollar gesunken. Ein Barrel (159 Liter) der US-Referenzsorte West Texas Intermediate (WTI) zur Dezember-Auslieferung fiel im Nachmittagshandel zeitweise auf bis zu 49,91 Dollar. Dies ist der niedrigste Stand seit Mai 2005. Eine leichte Erholung brachte den WTI-Preis anschließend zwar wieder auf 50,50 Dollar. Das waren aber immer noch gut drei Dollar weniger als zum Handelsschluss am Vortag.

An der Rohstoffbörse in London gaben die Preise ebenfalls kräftig nach. Ein Fass der Nordseesorte Brent sank auf bis zu 48,20 Dollar. Auch hier wurde der niedrigste Preis seit Mai 2005 verzeichnet. Im Sommer hatte der Brentpreis noch bei 145 Dollar gelegen, WTI-Öl kostete damals sogar 147 Dollar.

Jetzt sehen manche Fachleute die Talsohle angesichts der globalen Rezession erst bei 30 bis 35 Dollar erreicht. Den jüngsten Preisrutsch führen Experten vor allem auf enttäuschende Konjunkturdaten aus den USA zurück. So waren die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe nach Zahlen vom Donnerstag in der abgelaufenen Woche auf den höchsten Stand seit 16 Jahren geklettert. Im aussagekräftigeren Vier-Wochen-Schnitt stieg die Zahl sogar auf den höchsten Wert seit 1983. Die Daten deuteten auf eine anhaltend schwache Entwicklung am US-Arbeitsmarkt und mithin eine sinkende Nachfrage nach Ölprodukten hin, hieß es.

Die jüngsten Daten zu den US-Ölreserven werten Fachleute ebenfalls als Hinweis für den Rückgang der Nachfrage nach Rohöl. In der größten Volkswirtschaft der Welt waren die Lagerbestände an Rohöl und Benzin zuletzt gestiegen.

Vor dem Hintergrund der rasanten Talfahrt am Ölmarkt verdichten sich unterdessen die Hinweise auf eine weitere Kürzung der Fördermenge durch die Organisation erdölexportierender Länder (Opec). Der amtierende Opec-Präsident Chakib Khelil hatte zuletzt gesagt, dass die Mitgliedsstaaten des Kartells keine andere Wahl hätten, als weitere Fördermengenkürzungen umzusetzen. Nur so könne der Ölpreis künftig in der Spanne zwischen 70 und 90 Dollar pro Barrel gehalten werden.

Das Ölkartell hatte seine Produktionsziele in den vergangenen Monaten bereits um zwei Mio. Barrel am Tag gekürzt. Doch es dauert erfahrungsgemäß ein halbes Jahr, bis sich die Kürzungen auf dem Markt bemerkbar machen. Am 29. November treffen sich die arabischen Opec-Mitglieder in Kairo, eine weitere Kürzung wird das Kartell jedoch wohl kaum vor dem regulären Treffen am 17. Dezember in Oran vereinbaren. Das zumindest signalisierten Opec-Präsident Khelil und Generalsekretär Abdalla El-Badri in den vergangenen Tagen.

Der Preis für ein Barrel Opec-Rohöl aus den Fördergebieten des Kartells habe am Mittwoch 45,89 Dollar noch gekostet, teilte das Opec-Sekretariat am Donnerstag in Wien mit. Das waren 0,66 Dollar weniger als am Dienstag. Die Opec berechnet ihren täglichen Durchschnittspreis auf der Basis von 13 wichtigen Sorten der Mitgliedsländer.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%