Risiko-Radar
An den Rohstoffmärkten wächst die Gefahr

An den Rohstoffmärkten wachsen die Gefahren für Anleger. Die Risikokennziffern für Silber gehen nach oben. Dagegen normalisieren sich die Werte für Aktien.
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DüsseldorfMonatelang waren Rohstoffe für Anleger eine nahezu sichere Wette. Die Kurse von Gold, vor allem aber Silber und Öl stiegen kontinuierlich und bescherten Investoren Traumrenditen. Doch das Bild hat sich eingetrübt: Ende April stürzte plötzlich der Silberpreis ab. Von einem Allzeithoch bei knapp 50 Euro ging es binnen weniger Tage um ein Drittel abwärts. Wenig später erfasste der Abwärtstrend auch andere Rohstoffe wie Öl und - in geringerem Ausmaß - auch Gold.

Inzwischen haben sich die Rohstoffmärkte wieder beruhigt. Doch das Risiko für Anleger hat stark zugenommen. Das zeigt das "Risiko-Radar", das das Handelsblatt und die Ratingfirma EDG einmal monatlich veröffentlicht. Unter den 50 Aktien, Indizes und Rohstoffen, die die EDG untersucht, ist das Risiko bei Silber im vergangenen Monat am stärksten gestiegen. Die Risikokennziffer "Value at Risk", auf der die Analyse basiert, sprang auf 1 455 Euro. Ende April lag sie noch zehn Prozent niedriger.

Das Konzept des Value at Risk wird in der Finanzwelt flächendeckend verwendet. Die Kennziffer gibt den maximal kalkulierten Verlust einer Anlage in einem bestimmten Zeitraum an. In der EDG-Analyse bedeutet ein Value at Risk von 1 000 Euro, dass Anleger bei einer Investition von 10 000 Euro mit einer Wahrscheinlichkeit von 99 Prozent in den nächsten zehn Tagen höchstens 1 000 Euro verlieren werden.
Auf Basis des Value at Risk werden die verschiedenen Anlagen in Risikoklassen von eins für "sicherheitsorientiert" bis fünf für "spekulativ" eingestuft. In letztere Klasse fallen schwankungsanfällige Nebenwerte; der Dax liegt in der mittleren Klasse drei.

Als risikoärmer gelten Anlagen in Gold. Mit einem Wert von 707 Euro fällt Gold trotz des jüngsten Rückschlags in die Risikoklasse 2. "Gold wird von Investoren vielfach nicht als klassischer Rohstoff, sondern als Währungsersatz genutzt", erklärt Eugen Weinberg, Leiter der Rohstoff-Analyse der Commerzbank. "Wie bei Währungen ist die Volatilität von Gold niedriger, daher sind auch die Risiken geringer." Hinzu kommt, dass die Preise von Silber und Öl vor dem Einbruch viel stärker gestiegen waren als der Goldpreis: "Wenn sich ein Kurs in zweieinhalb Jahren versechsfacht wie bei Silber, ist ein Einbruch keine Überraschung", sagt Weinberg.

Anders als bei den Rohstoffen sind die Gefahren am Aktienmarkt gesunken. "Nach dem kurzfristigen starken Kursverlust infolge des Erdbebens in Japan haben sich die Aktienrisiken erholt, der Trend zur Annäherung an die langfristigen Durchschnittswerte setzt sich fort", sagt Björn Döhrer von der EDG. Die meisten Dax-Werte liegen inzwischen wieder in der Risikoklasse drei oder vier. Lediglich Heidelberg-Cement und Infineon gelten nach wie vor als spekulative Anlagen. Bei Infineon hellt sich das Bild aber auf. Im April verringerte sich der Value at Risk um zehn Prozent - das war der stärkste Rückgang aller untersuchten Anlagen.

Ralf Drescher
Ralf Drescher
Handelsblatt.com / Teamleiter Finanzen (bis 29.2.2012)

Kommentare zu " Risiko-Radar: An den Rohstoffmärkten wächst die Gefahr"

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  • Ein bescheuerter und überflüssiger Artikel....
    Vielleicht interessant für Intellektuelle oder Tiefschläfer.....

  • Das sind ja ein unglaubliche Erkenntnisse des "Radars". Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei.

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