Rohöl ist so teuer wie nie zuvor – Langfristige Preiserwartungen werden nach oben angepasst: Brent-Öl steigt über 53 Dollar

Rohöl ist so teuer wie nie zuvor – Langfristige Preiserwartungen werden nach oben angepasst
Brent-Öl steigt über 53 Dollar

Der Rückgang der Heizöl- und Dieselbestände in den USA hat den Preis für das europäische Brentöl gestern bis auf über 53 Dollar je Barrel (159 Liter) getrieben. Damit war Rohöl in Europa so teuer wie noch nie zuvor. Ähnlich angespannt ist die Situation auch bei den anderen bedeutenden Ölindizes weltweit.

HB FRANKFURT/M. Der Preis für Rohöl der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) hat gestern mit über 47 Dollar den höchsten Stand seit 20 Jahren erreicht. Und in den USA kostete ein Barrel der Sorte West Texas Intermediate (WTI) gestern mit 53,09 Dollar so viel wie seit vier Monaten nicht mehr.

Der Rückgang der Bestände hat den Markt in einer ohnehin angespannten Verfassung getroffen. Große Verunsicherung besteht über die Lage im Nahen Osten, vor allem im Iran und in Syrien. Des weiteren hat der strenge Winter die USA und Europa fest im Griff. Hinzu kommen Spekulationen darüber, was die Organisation Erdöl produzierender Staaten (Opec) auf ihrer Sitzung am 16. März in Teheran beschließen wird. Angesichts der hohen Ölpreise schließen immer mehr Experten aus, dass die Opec ihre Förderung drosseln wird. „Wir erwarten keine Veränderung der Quoten bei diesem Treffen, so lange die Preise nicht sinken und Brent unter 40 Dollar je Barrel fällt“, heißt es etwa von Lehman Brothers. Die Investmentbank rechnet bisher für das laufende Jahr mit einem durchschnittlichen Brentölpreis von 35 Dollar. Allerdings räumen die Experten ein, dass das Prognoserisiko „klar nach oben gerichtet ist“.

Schätzungen, dass Rohöl sich in diesem Jahr sogar bis auf 60 Dollar je Barrel verteuern wird, hält Rainer Wiek vom Hamburger Energie Informationsdienst (EID) allerdings für „sehr gewagt“. Denn der Preis hänge von sehr vielen Faktoren ab – und zwar in beiden Richtungen. Laut Wiek spiegelt sich in den aktuellen Preisen die Krise im Nahen Osten wider, verbunden mit einem weltweit sehr hohen Nachfrageniveau und der herrschenden Kältewelle. „Es macht sich mit Blick auf die krisengeschüttelten Ölregionen wieder mehr Verunsicherung im Markt breit“, sagt Wiek.

Dies wirke sich auf die Preise aus. Nach Einschätzung des EID-Experten könnte eine „maßgebliche Erholung der Preise“ erreicht werden, „wenn deutlich an der Kapazitätsschraube nach oben gedreht wird“. Dazu müssten sich aber auch die Förderländer internationalen Investitionen öffnen. Für das Opec-Treffen erwartet Wiek erneut eine Ankündigung, dass über die Mengen einer Überhitzung der Preise weiter entgegengesteuert wird.

Sandra Ebner, Rohstoff-Analystin bei der Deka-Bank, macht auch die für die Marktteilnehmer enttäuschenden Lagerbestandsdaten in den USA für den heftigen Preisanstieg verantwortlich. Zwar haben sich die Rohöllagerbestände dort in der vergangenen Woche um 2,4 Mill. Barrel erhöht, was zu einer preislichen Entspannung führen sollte, zumal die Analysten nur mit einem Anstieg um eine Mill. Barrel gerechnet hatte. „Der Anstieg lässt sich aber relativ einfach durch noch einmal deutlich gefallene Kapazitätsauslastung der Raffinerien erklären“, sagt Ebner. Mit einem Wert von 89,3 Prozent hat diese den niedrigsten Wert seit den durch den Hurrican Ivan bedingten Ausfällen im vergangenen Herbst.

Hinzu kommt der psychologische Aspekt. Obwohl die Opec angekündigt hat, dass sie bei Preisen um 50 Dollar je Barrel bei ihrem Treffen Mitte März vermutlich keine Produktionskürzung beschließen wird, hat der Ölpreis darauf nicht mit einer Entspannung reagiert. Vielmehr wurden von den internationalen Experten inzwischen auch die langfristigen Preiserwartungen deutlich nach oben angepasst. Das liegt unter anderem daran, dass diesmal im Gegensatz zum starken Preisanstieg im Oktober alle Rohölsorten gleichermaßen angezogen haben. Damals haben lediglich die qualitativ hochwertigen Sorten wie Brent und WTI stark zugelegt.

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