Rohöl kostet rund 60 Prozent mehr als zu Jahresbeginn.
Hohe Ölpreise bremsen Außenhandel nicht

Das im Frühjahr kräftig gestiegene deutsche Importvolumen ist nicht auf die Rekordpreise für Öl zurückzuführen. Wie ein Sprecher der Abteilung Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung beim Statistischen Bundesamt am Freitag mitteilte, kann man den realen Importanstieg damitt nicht erklären.

HB BERLIN. „Es sind tatsächlich Entwicklungen in der Nachfrage, das lässt sich nicht durch den Preis erklären.“ Für die Berechnung des realen Wirtschaftswachstums ist nicht der Wert der Importe entscheidend, sondern deren Menge. Dazu werden aus dem Wert der Importe in Euro die Preisveränderung herausgerechnet. In der ersten Meldung zur Wirtschaftsentwicklung im zweiten Quartal hatte das Amt am Donnerstag mitgeteilt, dass der Außenhandel wegen eines starken Anstiegs der realen Importe das Wachstum bremste. Der negative Wachstumsbeitrag vom Außenhandel im Quartalsvergleich zehrte einen Zuwachs der inländischen Verwendung auf, so dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) insgesamt stagnierte. Einige Analysten, Politiker und Journalisten hatten dies mit der Verteuerung der Öl-Importe erklärt. Rohöl kostet inzwischen mit Rekordpreisen um 65 Dollar je Fass rund 60 Prozent mehr als zu Jahresbeginn.

Das Statistikamt wies darauf hin, dass bei normalen Produkten die Nachfrage bei einem solch starken Preisanstieg zurückgehe, die Importmenge also sogar sinken müsste. Allerdings reagiere die Ölnachfrage auf Preisänderungen nur wenig. „Daher gibt es kurzfristig kaum Mengeneffekte“, sagte der Sprecher. Volkswirte betonen jedoch, dass teueres Öl das Wirtschaftswachstum grundsätzlich belastet. Gerade weil die Unternehmen und Bürger trotz steigender Öl- und Benzinpreise ihre Nachfrage danach kaum einschränkten, fließt mehr Geld ins Ausland. Dieses Geld fehlt an anderer Stelle, beispielsweise für Konsum oder Investitionen. Die Dresdner Bank schätzt, dass in Deutschland durch den Energiepreisschub 2005 fast 20 Milliarden Euro an Kaufkraft verloren gehen.

Viele Analysten vermuten hinter dem Importanstieg im zweiten Quartal nur eine Gegenreaktion auf den kräftigen Rückgang im ersten Vierteljahr. Einige halten es aber auch für möglich, dass allmählich die Binnenkonjunktur und damit auch die Nachfrage Deutschlands nach ausländischen Waren etwas in Schwung kommt. Genaueren Aufschluss erhoffen sich Experten von den Detail-Daten zur BIP-Entwicklung im zweiten Quartal, die das Statistikamt am 23. August vorlegt.

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