Rohstoff-Börse
Wien will Europas größter Gashändler werden

In Wien startet eine neue Rohstoff-Börse: ein Schritt hin zum Ziel, Österreich zum Gashandelszentrum in Europa zu machen. Rückendeckung durch den russischen Gazprom-Konzern ist in Sichtweite. Schon jetzt ist Österreich in Europa eine Drehscheibe für den internationalen Vertrieb von Erdgas.
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WIEN. Wien soll in den kommenden Jahren zum wichtigsten Gashandelszentrum auf dem europäischen Kontinent werden. Österreichs großer Öl- und Gaskonzern OMV hat deshalb gemeinsam mit der Wiener Börse eine neue Gasbörse gegründet. Am heutigen Montag steht das neue Unternehmen vor seiner ersten Handelswoche.

Die Österreicher besitzen zwar nicht die erste Gasbörse in Europa, Konkurrenten gibt es bereits in Deutschland, den Niederlanden und in Frankreich. Die neue Wiener Gasbörse soll in den kommenden Wochen aber einen gewichtigen Gesellschafter bekommen: Der russische Energieriese Gazprom soll 30 Prozent der neuen Wiener Gasbörse übernehmen.

Der OMV-Konzern glaubt, dass die Verbindung zu Gazprom der neuen Wiener Gasbörse den entscheidenden Aufschwung verleihen wird. „In einem Jahr werden alle großen europäischen Energiekonzerne über die Wiener Börse handeln“, prophezeite OMV-Vorstand Werner Auli auf einer Pressekonferenz in Wien. Zum Handelsauftakt haben sich bereits mehrere große europäische Energiekonzerne als offizielle Händler registrieren lassen. Dazu gehören RWE aus Deutschland und Enel aus Italien.

Handel mit überschüssigem Erdgas geplant

Eine OMV-Tochtergesellschaft handelt in Wien bereits seit mehreren Jahren mit überschüssigen Gasmengen und verkauft sie überall in Europa. Dieses Geschäft über den OMV-Konzern ist der Grundstock für die Wiener Gasbörse.

Die neue Börse soll den Handel von Gaskontrakten vereinfachen und vor allem die Preisbildung transparenter machen. Zudem glauben OMV und die Wiener Börse, dass der Spothandel an Bedeutung gewinnen wird. In Wien soll überschüssiges Erdgas gehandelt werden, das Europas Energiekonzerne über langfristige Verträge vor allem aus Russland beziehen, für das sie aber selbst keine Verwendung haben. Im nächsten Frühjahr wollen die Wiener auch erstmals Erdgas-Futures handeln.

Österreich schon jetzt eine Drehscheibe für Erdgas

Österreich ist innerhalb Europas schon jetzt eine Drehscheibe für den internationalen Vertrieb von Erdgas. In Baumgarten bei Wien betreibt der OMV-Konzern eine Verteilerstation, in der etwa die Hälfte des für ganz Europa gedachten Transit-Erdgases aus der Ukraine ankommt (jährlich ungefähr 55 Milliarden Kubikmeter).

Der österreichische Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner begrüßte die Gründung der neuen Gasbörse. Die Preisbildung über die Börse „erhöht die Versorgungssicherheit“, weil frei verfügbare Mengen an Energie mit Hilfe des Marktmechanismus besser verteilt werden könnten.

Die neue Wiener Gasbörse hat auch einen deutschen Partner. Eine Tochter der Leipziger Strombörse EEX übernimmt am neuen Erdgas-Handelsplatz in Österreichs Hauptstadt das Clearing.

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie

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