Rohstoff-Preise
Zinn bald so teuer wie Nickel

Die explodierende Nachfrage aus China und die Verknappungspolitik Indonesiens treiben den Preis weiter nach oben. Doch es gibt auch Grund zur Hoffnung: In Bolivien und Malaysia werden die Kapazitäten gerade ausgebaut.

LONDON. Kein anderes Industriemetall hat sich binnen Jahresfrist so rasant verteuert wie Zinn. Der Preis ist seit dem Frühjahr vergangenen Jahres von knapp 14 000 Dollar zwischenzeitlich auf über 24 500 Dollar je Tonne gestiegen. Getrieben werden die Notierungen vor allem durch die Materialknappheit: Die weltweiten Vorräte an dem Löt- und Beschichtungsmetall entsprechen nur noch einer Versorgungsdauer von drei Wochen. Noch vor drei Jahren lagen sie fast doppelt so hoch.

„Bei diesem Tempo könnte der Zinnpreis schon bald den Preis für Nickel einholen“, meint ein Händler an der Londoner Metallbörse, LME; Nickel notierte zuletzt in London bei 27 500 Dollar je Tonne. Die Zinnvorräte an der LME sind seit Jahresbeginn um mehr als ein Drittel auf nur noch 7 800 Tonnen und damit den niedrigsten Stand seit zweieinhalb Jahren geschrumpft.

Zinn wird in der Industrie zur Herstellung von Weißblechen, beispielsweise von Konservendosen benötigt. Es bietet als Überzug auf anderen Metallen einen Korrosionsschutz und wird überdies zum bleifreien Löten eingesetzt. Das Industriemetall profitierte in den vergangenen Jahren insbesondere von einer Verschärfung der Bestimmungen für Lötmetall. Dieses muss seit dem Jahr 2006 in Europa, Japan und China zu 95 Prozent aus Zinn bestehen. Bis zu diesem Zeitpunkt war lediglich ein Anteil von 60 Prozent üblich. Wachsende Anwendung findet das Leichtmetall in der Chemieindustrie und ist – wie andere Rohstoffe – stark in China gefragt.

„China fällt die Schlüsselrolle bei der weiteren Preisentwicklung zu“, stellt die Londoner Beraterfirma Economist Intelligence Unit, EIU, in ihrem jüngsten Marktausblick für die Industriemetalle fest. Das Land verbrauche inzwischen mehr Zinn als die Länder der Europäischen Union, die USA und Japan zusammen.

Noch wichtiger für den Markt ist, dass das Riesenreich seit August vergangenen Jahres als Nettoimporteur von raffiniertem Zinn am Weltmarkt auftritt. Das Land verliert damit gleichzeitig seine klassische Rolle als Zinnlieferant der Welt. Chinas eigene Produktion von Zinnkonzentrat und raffiniertem Zinn wird nach der kräftigen Expansion der zurückliegenden zwei Jahre bis 2010 nur noch schleppend zunehmen, prognostizieren die Londoner Analysten. Falls die Preise aber auf dem gegenwärtigen Niveau verharren sollten, so warnte der chinesische Metallinformationsdienst Antaike vor kurzem, könnte China in der zweiten Jahreshälfte wieder zum Netto-Exporteur von Zinn werden.

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